Landwirtschaft am Pranger !? - lautete das Motto des Hessischen Bäuerinnentages in der vergangenen Woche auf der Staatsdomäne Schloss Rauischholzhausen. Knapp 100 hessische Landfrauen befassten sich mit dem Thema Öffentlichkeitsarbeit. Dabei stellte sich heraus, dass die Darstellung der Landwirtschaft in den Medien mit der Realität auf den Höfen nicht immer übereinstimmt. Denn die vier Landfrauen - von Bloggerin über Agrarscout, Radioexpertin bis zur Gastgeberin für Kindergärten und Schulen – erklärten, dass sie, obwohl deutlich in der Öffentlichkeit präsent, sich nicht an den Pranger gestellt fühlen. Insofern waren die beiden Satzzeichen im Veranstaltungstitel passend gewählt.

Gute Kommunikation braucht Zeit

Gleichzeitig trat während des programmreichen Bäuerinnentages ein deutlicher Bedarf an mehr Klarheit zutage. So gingen die Meinungen bezüglich der Frage, ob für Bauernhofführungen Geld verlangt werden sollte, weit auseinander. Bäuerin Claudia Jütte kassiert bis zu 6,50 € pro Kind („wie für eine Kinokarte“) für einen Tag „Lernen auf dem Bauernhof“. Berufskollegin Karin Stähler empfängt die Gruppen kostenfrei. Sie sieht es als eine Investition ins Marketing. Auch wurden Ängste vor Beschimpfungen (in der analogen Welt) oder vor Shitstorms (in der digitalen Welt) geäußert. Das sei ein Grund, warum manche gar nicht erst anfangen würden Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, kam der Einwand von einer Teilnehmerin. Referent Dr. Jörg Bauer, der als Berater für den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen tätig ist und Schweine mästet, parierte mit einem „Man kann nicht nicht kommunizieren“ des Soziologen Paul Watzlawick. Und so sei die Verweigerung eines Austauschs mit Verbrauchern und Kritikern eben auch eine Botschaft. Referent Bauer machte aber auch auf die Bedeutung des Zeitfaktors aufmerksam. „Wenn Sie mit der Feldspritze unterwegs sind und jemand empört den Kopf schüttelt, dann müssen Sie sich ausreichend Zeit nehmen, um vom Schlepper zu steigen, zuzuhören und sich auszutauschen. Wenn Sie diese Zeit nicht haben, sollten Sie tatsächlich besser weiterfahren. Sonst wird das nur schlimm enden.“ Einen ähnlichen Ratschlag für das Internet erteilte auch die Agrarbetriebswirtin Lena Hennig, die über den Schweinebetrieb ihres Freundes bloggt. Trolle, Störer um des Störens Willen, können im Internet ignoriert werden.

Referent Bauer verdeutlichte den Landfrauen in seinem Vortrag am Vormittag, dass auch Mut eine wichtige Zutat für gelungene Kommunikation ist. Und eigentlich hätten sie davon inspiriert auch gleich am Nachmittag in die praktische Umsetzung gehen können. Denn die Rede der Staatssekretärin im hessischen Landwirtschaftsministerium, Dr. Beatrix Tappeser, die in Wiesbaden unter der grünen Ministerin Priska Hinz arbeitet, hat den Landfrauen so gar nicht geschmeckt. In der anschließenden Fragerunde blieb es dann aber erstaunlich ruhig. Und so zog Tappeser unbescholten davon. Keine Widerrede ist eben auch eine Botschaft. (kbo)
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