Geflügelwirtschaft

Klöckner: Durchbruch beim Kükentöten

 Die Präsentation von Julia Klöckner und Seleggt-Geschäftsführer Dr. Ludger Breloh stieß auf großes Medieninteresse.
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Die Präsentation von Julia Klöckner und Seleggt-Geschäftsführer Dr. Ludger Breloh stieß auf großes Medieninteresse.

Das Töten männlicher Eintagsküken soll langfristig beendet werden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärt, eine marktfähige Methode zu haben. Die Geflügelwirtschaft spricht von "vorschneller Äußerung".

Mit einer neuen sogenannten "nicht-invasiven" Technik könnten Brütereien zukünftig eine frühzeitige Geschlechtsbestimmung in Bruteiern vornehmen. Das Verfahren habe Marktreife erreicht, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der Präsentation der Technik heute in Berlin. Gefördert mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Höhe von rund fünf Mio. € hätten die Kooperationspartner aus Wissenschaft und Wirtschaft ein hocheffizientes Verfahren entwickelt.

Schnell und zuverlässig

Dieses sei in der Lage, im Sekundentakt eine zu 98-Prozent zuverlässige Bestimmung des Geschlechts zu ermöglichen, sagte der Geschäftsführer der anteilig zum Rewe-Konzern gehördenden Seleggt GmbH, Dr. Ludger Breloh. In einem Zweischicht-Betrieb in einer Brüterei sei es daher möglich, bis zu 50.000 Eier pro Tag zu untersuchen. Methodisch komme eine im Laufe dieses Jahres ständig weiterentwickelte Lasertechnik zum Einsatz. Eine Verletzung des Eies werde durch die nicht-invasive Technik vermieden, so Breloh. Derzeit erfolge die Bestimmung am Tag neun nach Beginn des Brutvorgangs durch Entnahme einer geringen Menge der sogenannten Allantois-Flüssigkeit aus dem Ei und der anschließenden Bestimmung des geschlechtsspezifischen Hormons Östronsulfat mittels eines patentierten Markers außerhalb des Eies. Ist Östrosulfat vorhanden, handelt es sich um ein weibliches Tier und der Brutvorgang wird bis zum Schlupf am Tag 21 fortgesetzt. Als männlich identifizierte Eier werden zur Verwendung als Tierfutterkomponente aussortiert.

Geflügelwirtschaft fordert Praxisreife

Auf deutliche Kritik stößt die Präsentation des Verfahrens beim Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft. Im Vorfeld der heutigen Vorstellung äußerte ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke Zweifel an der Praxistauglichkeit. „Es muss die beste Technik zur Anwendung kommen, die einen echten Fortschritt darstellt. Das können auch mehrere Systeme nebeneinander sein.“ Zentrale Vorausssetzung für die Integration einer In-ovo-Geschlechtsbestimmung in die Arbeitsabläufe deutscher Brütereien ist eine wirkliche Praxistauglichkeit, so Ripke. Dafür sei nach Einschätzung der Branche eine Sortier-Kapazität von rund 100.000 Eiern pro Tag erforderlich.
 "In höchstem Maße besorgt"
Das vom Ministerium als praxisreif bezeichnete SELEGGT-Verfahren dürfte mit nach eigenen Angaben derzeit 3.500 Eiern pro Stunde weit hinter dieser Kapazität zurückbleiben. Eine echte Praxisreife erfordere zudem noch mehr, mahnt Ripke. „Der Stand der Technik muss sicher erreicht sein und es muss lieferfähige Hersteller geben, die diese Technik flächendeckend für den bundesweiten Einsatz anbieten können – zu verhältnismäßigen Anschaffungspreisen" so der ZDG Präsident.
Voreilig von einer ,Praxisreife‘ zu sprechen, verkenne die tatsächlichen Gegebenheiten in der Wirtschaft, kritisiert Ripke die Ankündigung als „nicht zu Ende gedacht“. Dies suggeriere, dass ein quasi sofortiger Ausstieg aus dem Töten männlicher Küken machbar sei. „Wir sind in höchstem Maße besorgt, dass die Veterinärbehörden mit der voreiligen Feststellung des Ministeriums das Töten der Hahnenküken als unbegründet bewerten“, beschreibt Ripke die juristische Dimension und die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Eine derart vorschnelle Äußerung sei geeignet, ganze Existenzen der innovativen und weltweit geschätzten Brütereien aufs Spiel zu setzen. Dieser Verantwortung sollten sich alle Beteiligten bewusst sein.

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