Mobilfunk 5G

Flächendeckendes Netz „technisch nicht sinnvoll“

Für eine Funkverbindung ohne Löcher bräuchte es deutschlandweit mindestens 300.000 Sendemasten.
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Für eine Funkverbindung ohne Löcher bräuchte es deutschlandweit mindestens 300.000 Sendemasten.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hält eine lückenlose Netzabdeckung derzeit für "Unsinn". Die Bundesnetzagentur plant derweil zusätzliche Frequenzen für die Industrie bereitzustellen.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Dieter Kempf, kritisiert die Forderung nach lückenloser Abdeckung von ganz Deutschland mit dem Mobilfunkstandard 5G. Das sei „technisch und ökonomisch betrachtet Unsinn“, sagte Kempf dem Portal Spiegel Online. Dafür müsste „mindestens alle 500 Meter ein 5G-Mast errichtet werden.“ Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur bestätigt diese Einschätzung. "Bei den Frequenzen, die im Frühjahr zur Versteigerung stehen, handelt es sich um Kurzwellenbänder, die eine kurze Reichweite mit hoher Datendurchsatzrate haben." Tatsächlich bedürfte es mit diesen Frequenzen einer erheblich größeren Menge an Funkmasten, um ein flächendeckendes Netz zu errichten. Die Menge müsste von aktuell 26.000 auf mindestens 300.000 Sender erweitert werden.

Wulff wies im Gespräch mit agrarzeitung.de darauf hin, dass die Bundesnetzagentur mit Blick auf die Digitalisierung erwägt, weitere, "lokale Breitbandfrequenzen" für kleine und mittlere Unternehmen bereitzustellen. Man entwickle derzeit ein Antragsverfahren, das es Unternehmen mit "künftig auftretenden Frequenzbedarf" wie etwa aus der Landwirtschaft möglich macht, solche lokalen Breitbandfrequenzen zu nutzen. 


Kempf wies auf einen weiteren Umstand hin: Ab 2025 werden weitere, langwelligere Trägerfrequenzen frei, die eine größere Reichweite haben. Mit diesen langwelligeren Frequenzen stünde nach Kempfs Ansicht dem flächendeckenden 5G-Ausbau nichts entgegen. Kempf hofft auf ein wirtschaftsfreundliches Verhalten der Koalition bei der Versteigerung der Frequenzen. „Der Staat sollte den Erlös trotz aller Verlockungen in keinem Fall maximieren, sonst fehlt den Netzbetreibern das dringend nötige Kapital zum Netzausbau. Damit würde der Wirtschaftsstandort zurückfallen.“

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ermahnte dagegen die Kommunen, die Verfahren rascher abzuwickeln. Die Entscheidungen zu den Ausbauten der Infrastruktur dauerten teilweise bis zu eineinhalb Jahre. „Die Zeit können wir uns aber nicht mehr leisten“, sagte der Bundesminister. Ohne zusätzliche Sendemasten gebe es nun mal kein 4G oder 5G.

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