75 Jahre BDP

Am Anfang steht die Züchtung

Der BDP will im Jubiläumsjahr noch stärker auf die Bedeutung der Pflanzenzüchtung hinweisen.
Foto: BDP, Alexander Schlichter
Der BDP will im Jubiläumsjahr noch stärker auf die Bedeutung der Pflanzenzüchtung hinweisen.

Die Bedeutung der Züchtung für einen zukunftsfähigen Pflanzenbau will der Bundesverband der Deutschen Pflanzenzüchter (BDP) in seinem 75. Jubiläumsjahr noch stärker herausstellen.

Die Pflanzenzüchtung wird nach Überzeugung von BDP-Geschäftsführer Dr. Carl-Stephan Schäfer eine zentrale Rolle auch in der künftigen Ackerbaustrategie der Bundesregierung spielen. Züchtungsfortschritt und angepasste Sorten würden benötigt, um dem Klimawandel zu trotzen, Anbauverfahren mit weniger Dünge- und Pflanzenschutzbedarf zu ermöglichen oder ganz neue Ansätze in der Bioökonomie zu verfolgen.

"Die Vielfalt der züchterisch bearbeiteten Arten bietet die Voraussetzung, erweiterte Fruchtfolgen umzusetzen. Sie brauchen aber auch eine ökonomische Perspektive", unterstreicht Schäfer die Besonderheit der deutschen Struktur. Dass in Deutschland nicht nur einige wenige Cash Crops, sondern insgesamt etwa 120 Kulturarten züchterisch bearbeitet werden, schreibt der Geschäftsführer nicht zuletzt der erfolgreichen Verbandsarbeit in den zurückliegenden 75 Jahren zugute.

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Der BDP gründet auf Zusammenschlüssen deutscher Pflanzenzüchter direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Zuvor waren im Nationalsozialismus alle Agrarverbände im Reichsnährstand aufgegangen. Im Jahr 1945 wurde dann in der Britischen Besatzungszone der Verband der Pflanzenzucht mit Sitz in Hannover ins Leben gerufen, dem 1946 weitere Verbände in der französischen, amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone folgten. In Westdeutschland schlossen sich die Verbände 1962 zu einem Bundesverband mit Sitz in Bonn zusammen.

Gemeinsame Forschung kommt allen zugute

Bei allem Wandel der Agrarstrukturen und des agrarpolitischen Umfelds haben sich Kernelemente der Verbandsarbeit erhalten. Dazu zählt eine gemeinsame Forschung, die bereits 1908 erstmals etabliert und 1965 wiederbelebt wurde. In der aktuellen Förderperiode 2019/20 koordiniert oder betreut die heutige Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation (GFPi) knapp 50 Forschungsverbünde.


Die GFPi verdeutlicht nach Ansicht von Schäfer besonders eindrücklich den Gemeinschaftsgeist, der sich bis heute in den meisten BDP-Mitgliedsunternehmen erhalten hat. "Die hohe Bereitschaft, mit Wettbewerbern zusammenzuarbeiten, ist in der Wirtschaft wohl einmalig", beschreibt der Geschäftsführer die Besonderheit der Forschungsgemeinschaft, die Zukunftsthemen identifiziert, Projekte anbahnt und die langfristige Finanzierung sichert. Gerade hat die GFPi ihre Forschungsstrategie Pflanzenzüchtung 4.0 entwickelt, die den Zeithorizont bis zum Jahr 2050 in den Blick nimmt.

Gleichwohl ist sich Schäfer bewusst, dass die Interessen der BDP-Mitglieder sich durchaus auseinanderentwickeln können. Er betrachtet es als Herausforderung, die heterogene Struktur aus kleinen und mittelständischen Züchtungsunternehmen sowie großen Saatgutkonzernen zusammenzuhalten. Er weiß auch, dass es zuweilen schwierig sein kann, eine im Verband abgestimmte Position zu aktuellen Themen in der Pflanzenzüchtung zu finden. Doch Schäfer, der vor zehn Jahren die BDP-Geschäftsführung übernommen hat, ist zuversichtlich, dass der Verband diese Gratwanderung auch künftig meistern wird. Für ihn führt kein Weg daran vorbei, dass die Branche ihre Interessen bündelt und gegenüber der Politik mit einer Stimme spricht.

Züchtungstechnologien bleiben auf der Tagesordnung

Die Wunschliste ist lang und erstreckt sich vom freien Zugang zu genetischem Material der Mitbewerber über eine ausgewogene Balance von Sorten- und Patentschutz bis hin zur gesicherten Refinanzierung der Züchtungsarbeit. Ein besonders heikles Thema bleiben moderne Züchtungstechnologien.

Für Schäfer ist auch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das Crispr/Cas als Gentechnik eingestuft, die fachliche und politische Diskussion keineswegs beendet. Völlig in der Grauzone befinden sich die künftigen Importe aus Drittländern, die auch die EU-Kommission noch beschäftigen wird. Der BDP wird nicht locker lassen, beständig auf solche Fallstricke hinzuweisen. Denn aus Sicht der deutschen Pflanzenzüchter war die pauschale Einstufung von Pflanzen aus neuen Züchtungsmethoden als Gentechnik schlichtweg eine Fehlentscheidung.

In diesem Jahr will sich der Verband noch stärker als bisher in der Öffentlichkeit und in der Politik für die Anliegen der Pflanzenzüchter starkmachen. Zur Grünen Woche will der BDP zunächst analysieren, warum trotz ihrer Bedeutung die Pflanzenzüchtung in der Öffentlichkeit und in der medialen Berichterstattung nur eine untergeordnete Rolle spielt, und diskutiert dazu am Dienstag, 21. Januar, Ergebnisse einer aktuellen Verbraucherumfrage. Doch dann wird erst einmal der besondere Geburtstag gefeiert. Abends schmeißt der BDP auf dem Erlebnisbauernhof auf der Berliner Messe eine Jubiläumsparty.

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