Niedersachsen/Bremen

AbL fordert Bundes-Tierschutz-Plan

Der in Niedersachsen formulierte Tierschutzplan, der vor dem Hintergrund drohender EU-Vertragsstrafen von der früheren CDU/FDP-Landesregierung erarbeitet worden sei, müsse nun endlich von der für Tierschutz zuständigen Bundesregierung übernommen und ordnungsrechtlich umgesetzt werden, schreibt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Niedersachsen/Bremen in einer Mitteilung.

Musterbeispiel Schweden
In Schweden ist das Kupieren von Ringelschwänzen ebenso wie die Haltung der einzelnen Sauen in engen Kastenständen seit 1988 verboten. Laut Informationen der AbL unterstützt die schwedische Regierung die Schweinehalter seit 2014 mit Prämien (jährlich 108 € pro Sau sowie 0,70 € pro Ferkel für die Schmerz- und Anästhesie-Mittel beim Kastrieren der Schweine). Dies und der höhere Erzeugerpreis (1,80 € pro kg Schlachtgewicht) hat wieder zu einem Anstieg der Zahl der in Schweden gehaltenen Schweine geführt. (mrs)
AbL-Vertreter Eckehard Niemann verweist hierzu auf einen aktuellen Bericht der EU-Kommission über die erfolgreiche Umsetzung der EU-Vorgaben in Schweden wie auch in Finnland, der Schweiz und Norwegen. Die EU-Kommission habe mit diesem Bericht über die als vorbildlich geltende Schweinehaltung in Schweden erneut alle EU-Mitgliedsstaaten angehalten, die schon 2008 erlassene Schweinehaltungs-Richtlinie (2008/120/EC) mit ihren Mindeststandards endlich in nationales Recht umzusetzen.

Richtlinie für mehr Tierwohl

Zu diesen Mindestanforderungen gehörten insbesondere der Verzicht auf das routinemäßiges Kürzen (Kupieren) der Ringelschwänze und die Vorgabe zur ständigen Bereitstellung von Stroh für die Schweine. Der EU-Bericht über die weitere Verbreitung dieses „Best-Practice“-Managements bei Schweinen mit ungekürzten Ringelschwänzen belege eindrucksvoll, dass man Schweine sehr wohl mit intakten Ringelschwänzen halten könne, wenn man bisherige Stresshaltungs-Faktoren abstelle – so zu wenig Platzangebot, Spaltenböden ohne Einstreu, Sauen-Kastenstände und Sauen-Metall-„Körbe“ für die ferkelnden Sauen. Diese Tierwohlmaßnahmen minimierten zugleich drastisch den Einsatz von Antibiotika und das Vorkommen antibiotika-resistenter MRSA-Keime, zitiert die AbL den EU-Bericht.

Die AbL legt großen Wert auf die Feststellung, dass die mit höheren betrieblichen Kosten verbundenen, ordnungsrechtlich EU-weit geltenden Tierwohlmaßnahmen keine Schlechterstellung der landwirtschaftlichen Betriebe bedeuteten. Im Gegenteil werde so "mit großer gesellschaftlicher Akzeptanz ein flächendeckender und somit wettbewerbsneutraler Abbau der derzeit ruinösen Überschüsse erreicht". Eine solche Angebotsreduzierung nach dem Motto „Klasse statt Masse“ werde zu einem deutlich überproportionalen Anstieg der Erzeugerpreise führen, so die AbL. (mrs)

 
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