Nutztierstrategie

AbL fordert Finanzierungsfonds

Unter den Schweinhaltern gebe es eine große Bereitschaft in neue Verfahren der Tierhaltung zu investieren, erklärte der AbL-Vorsitzende und Neuland-Schweinemäster Martin Schulz am Mittwoch vor der Presse in Berlin. Dazu nötig seien jedoch klare Vorgaben und Anforderungen, welche Ziele in den kommenden 10 bis 15 Jahren erreicht werden sollen. Zudem müssten vom Bund neue Finanzierungsquellen zur Unterstützung der Betriebe bereitgestellt werden. Denn der kalkulierte Kostenrahmen von 2 Mrd. € jährlich könne nicht allein von den Betrieben geleistet werden. Umschichtungen von EU-Geldern seien zwar notwendig, jedoch bei Weitem nicht ausreichend, sagte Schulz. In der bisher vorgelegten Nutztierstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) fehlen sowohl die klaren Ziele als auch die erforderlichen Finanzierungsinstrumente, kritisierte er.

Ein Teil der Mehrkosten könne am Markt durch eine Differenzierung des Angebots erwirtschaftet werden, zeigt sich der Biofleisch-Vermarkter Hugo Gödde überzeugt. Dafür notwendig sei die Einführung aussagekräftiger Tierschutz-Label. Da eine verpflichtende Kennzeichnung auf Ebene der EU noch nicht absehbar sei, plädiert die AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) für die Schaffung eines zweistufigen Tierwohl-Labels durch die neue Bundesregierung bereits im Jahr 2018. "Die Marktdifferenzierung im Fleischbereich ist anspruchsvoll, aber machbar", so Gödde. Wir müssen wegkommen von der Billig-Strategie und gezielt Qualitätsmärkte aufbauen, appellierte er. 

Bei der Umsetzung möglicher Schritte einer Nutztierstrategie dürften keinesfalls kleine und mittlere Betriebe überfordert werden, fordern die AbL-Vertreter. Sonst drohe der Verlust großer Teile der Schweinehaltung in Deutschland. Bereits heute würden rund 40 Prozent der für die Mast benötigten Ferkel durch Importe aus den europäischen Nachbarländern gedeckt werden. (jst)  
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