Kommunikation

AbL lehnt Erlebnisbauernhof ab

Als Teil einer Imagekampagne der Agrarindustrie bezeichnet die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) den Erlebnisbauernhof in der Bonner Innenstadt. Drei Tage lang sind derzeit auf dem dortigen Münsterplatz Markt- und Informationsstände von Landwirten und Vereinen aufgebaut. Das Ziel der Aktion ist, mit Verbrauchern in den Dialog zu treten und über die „moderne“ Landwirtschaft zu informieren.


Die AbL stört sich vor allem an dem Mitorganisator Forum Moderne Landwirtschaft. Dessen Präsentationen hätten mit „den Realitäten in der Intensivlandwirtschaft wenig gemein“. Es werde ein positives Bild der Tier- und Pflanzenproduktion vorgegaukelt und dabei die "hässliche Seite einer zunehmend industriellen Landwirtschaft und Tierhaltung" ausgeblendet.


Diese Vorwürfe sind für die Forums-Geschäftsführerin Lea Fließ nicht nachvollziehbar. Schließlich würden unter anderem eine Eins-zu-eins-Nachbildung einer Schweinebucht und kupierte Schwänze gezeigt. Auch macht sie darauf aufmerksam, dass weitere kritische Themen wie der Nitrateintrag ins Grundwasser in Bonn ein Thema sind.


Der AbL ist auch die Organisationsstruktur des Forums ein Dorn im Auge. Dies sei ein „illustres Interessenkonglomerat“, erklärt die Organisation und führt große Konzerne auf wie Bayer, BASF oder Syngenta. Nicht erwähnt wird, dass auch Vertreter des mittelständischen Landhandels, die Kirchlichen Dienste auf dem Lande (KDL) oder der Bundesverband für Tiergesundheit ebenfalls zu den Mitgliedern zählen. Die Struktur des Forums Moderne Landwirtschaft ist öffentlich einsehbar.


„Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die auf dem Münsterplatz anwesenden regionalen Obst- und Gemüsebauern oder Tierhalter,“ so Bernd Schmitz, NRW-Landesvorsitzender der AbL. Derweil werfen andere landwirtschaftliche Fachmedien der AbL genau dies vor. Sie vertiefe den Graben zur klassischen Landwirtschaft, heißt es bei Top Agrar. Fließ bedauert in diesem Zusammenhang, dass Kritik und Wortwahl der AbL vor allem schade für die vielen engagierten Landwirte seien. Sie hätte einen konstruktiven Austausch mit der AbL bevorzugt. Leider sei Herr Schmitz den Forums-Mitgliedern aus dem Weg gegangen, als sie der Einladung des WDR zu einem Dialog folgten, sagt Fließ. Schmitz betont hingegen ausdrücklich, dass er von den Forums-Vertretern nicht kontaktiert worden sei. (kbo)
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