Offensive Nachhaltigkeit

AbL lobt großen Schritt des WLV

Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Martin Schulz, hat die „Offensive Nachhaltigkeit“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) begrüßt. „Der WLV hat mit dieser Offensive einen großen Schritt getan, um auf den gesellschaftlich fest verankerten Wunsch nach einer tier- und umweltgerechten bäuerlichen Landwirtschaft zuzugehen“.

Teure Veränderungen für die Landwirte

Die in den WLV-Papieren gesetzten Ziele bedeuteten für viele Berufskollegen erhebliche und teure Veränderungen. Falsch sei, die Ziele wie den Verzicht auf das seit Jahren im EU-Recht verbotene Schwanzkupieren in der Schweinehaltung erst im Jahr 2030 flächendeckend erreichen zu wollen. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass nicht akzeptierte und tierschutzwidrige Verfahren noch bis 2030 toleriert werden könnten, erklärte Schulz, der im Wendland einen Neuland-Schweinemastbetrieb mit konventionellem Ackerbau betreibt.

Rahmenbedingungen werden ausgeklammert

Der AbL-Vorsitzende bedauert zudem, dass der WLV die Umsetzung der Ziele den Betrieben jeweils individuell überlassen wolle. Die Rahmenbedingungen, die dieses einzelbetriebliche Umsetzen beeinflussen, würden vom WLV „vollständig ausgeklammert“. Die Agrarpolitik in EU, Bund und Ländern werde mit keinem Wort angesprochen, obwohl dort heute vieles den notwendigen betrieblichen Veränderungen im Wege stehe. Änderungen in der Förderung, der Stallbaugenehmigung, dem Tierschutzrecht, dem Düngerecht und den Marktregeln seien dringend erforderlich, damit die Betriebe Planungssicherheit erhalten und der Umbau gelingen kann, so Schulz.

Mehr Tierschutz nur mit höheren Preisen zu erreichen

Genauso elementar sei es, die schwache Marktposition der Bauern gegenüber dem vor- und nachgelagerten Bereich nicht totzuschweigen, sondern offen anzusprechen, fordert der AbL Vorsitzende. Der notwendige Tierschutz in unseren Ställen sei nur zu erreichen, wenn die Bauern die dafür notwendigen höheren Erzeugerpreise auch gegen die aufnehmende Fleischwirtschaft und Handel durchsetzen könnten. Die dringend erforderlichen fairen Erzeugerpreise für die Milchbauern seien nur zu erreichen, wenn die Bauern nicht länger als „Restgeld-Empfänger der Molkereien“ betrachtet würden, sondern sie Mittel und Rechte an die Hand bekommen, die Molkereien unter Druck zu setzen. Dieser wirtschaftliche Teil fehle in der „Offensive Nachhaltigkeit" des WLV leider ganz, bedauert Schulz.

Alle noch bestehenden Höfe mitnehmen

Aus Sicht der AbL sind Veränderte politische Rahmenbedingungen und eine eigenständige Marktposition der Bauern wichtig, damit die einzelnen Betriebe ihre individuelle Verantwortung wahrnehmen. „Während der Bauernverband bisher auf Strukturwandel setzt, wollen wir als AbL möglichst alle noch bestehenden Höfe mitnehmen und ihnen eine wirtschaftliche Perspektive mit einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ermöglichen“, so Schulz. In einer tragfähigen Qualitätsstrategie dürften deshalb die ökonomische und politische Perspektive nicht fehlen. Als AbL reiche „ausdrücklich die Hand, eine solche Qualitätsstrategie mit anderen Akteuren voranzutreiben“. (SB)
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