Naturschutz muss in vielen Politikbereichen grundsätzlich implementiert werden. Darauf zielt der 32. Deutsche Naturschutztag ab, bei dem bis Donnerstag in Mainz Behörden und Verbände debattieren. So ist die Vielfalt der Arten und Lebensräume in Deutschland nach Ansicht von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks ein Reichtum, dessen Erhaltung jede Anstrengung wert ist. Naturverträgliche Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Energiewende müssten für den Naturschutz arbeiten.

Erhaltung von Grünland

Augenfällige, gravierende, negative Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft kritisiert Prof. Hartmut Vogtmann, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen (DNR): „Ein ‚Weiter so‘ darf es nicht geben und der Umstieg auf eine ökologische und bäuerlich geprägte Landwirtschaft ist das Gebot der Stunde.“ Vogtmann fordert den Ausstieg aus der Massentierhaltung und das Verbot der Agro-Gentechnik auf der einen und die Erhaltung eines artenreichen Grünlands auf der anderen Seite.

Geld für Vertragsnaturschutz

Die hohe Zahlungsbereitschaft in der Bevölkerung für Naturschutzbelange will Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, nutzen für die Ausweisung weiterer Nationalparke. Es gehe sowohl um hinreichende Personalausstattung bestehender Schutzgebiete, aber auch um eine finanzielle Ausstattung von Vertragsnaturschutzprogrammen, die mit den Erträgen aus einer intensiven Landwirtschaft Schritt halten kann.

Sie verweist auf Untersuchungen, die zeigen, dass in der Bevölkerung eine ähnlich hohe Zahlungsbereitschaft für den Schutz der Natur bestehe wie für den Schutz von Kulturgütern. „Die tatsächlichen Ausgaben betragen jedoch nur ein Zehntel davon“, bemängelt sie.

Auch die Energiewende mit dem zusätzlichen Bau von Stromtrassen sehen Naturschützer kritisch. Nach Auffassung von Heinz-Werner Persiel, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Beruflicher Naturschutz e.V. (BBN), muss die Energiewende dauerhaft natur- und umweltverträglich ausgestaltet werden. Nach der Verabschiedung des Bundesbedarfsplangesetzes beginnt nun die Bundesfachplanung für den Bau von Stromtrassen. (brs)
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