Dass Russland auf die von der EU verhängten Sanktionen reagieren würde, war klar, erklärte Gabriel am Donnerstag auf seiner Sommerreise in Leipzig. Über diese Konsequenzen seien sich die EU-Minister bewusst gewesen. Die EU habe deshalb gezielt Sanktionen verhängt, die vornehmlich Oligarchen und militärische Güter betreffen.

Nun hat Russland ein Importverbort für wichtige Agrarerzeugnisse für ein Jahr verhängt. Der deutsche Außenhandel mit Russland sei überschaubar und betrage 3,3 Prozent der gesamten Ausfuhren, so der Minister. Er versicherte, dass ein Teil der Exportlieferungen durch Hermes-Bürgschaften abgesichert sei. Nun würde das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) prüfen, in welchen Umfang Unternehmen betroffen seien. Das Ministerium verfüge über Instrumente, die greifen, wenn beispielsweise Liquiditätsengpässe drohen. Unternehmen und Verbände, die direkt betroffen seien oder unsicher seien, sollten sich im BMWi melden. 

Neben Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat sich auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) besorgt über die Beziehungen zwischen der EU und Russland geäußert. Das am Donnerstag konkretisierte und ab sofort gültige russische Importembargo für hochwertige Agrarrohstoffe und Lebensmittel treffe Landwirte, Erzeugerorganisationen und Verarbeiter in Deutschland gleichermaßen hart.

„Mit der Fortführung des russischen Kurses, Märkte für Rohstoffe und Lebensmittel zu schließen, werden die Warenströme vor allem für Milch und Milchprodukte, Rind- und Schweinefleisch sowie daraus hergestellte Erzeugnisse sowie Obst und Gemüse noch deutlicher verschoben", sagte DRV-Präsident Manfred Nüssel. Er forderte das Bundesagrarministerium (BMEL) auf,  alle Exportkompetenzen zu bündeln.  Bestehende Drittlandsmärkte müssten erweitert und neue Märkte gemeinsam erschlossen werden. Nur so werde verhindert, dass die negativen Auswirkungen für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft ins Uferlose steigen, so Nüssel. (da)
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