Mecklenburg-Vorpommern

Agrastruktur radikal gewandelt


Neue Ställe haben die Haltungsbedingungen verbessert, der Tierbestand ist dennoch eingebrochen.
-- , Foto: Henrike Schirmacher
Neue Ställe haben die Haltungsbedingungen verbessert, der Tierbestand ist dennoch eingebrochen.

Mehr Betriebe, weniger Beschäftigte eine deutlich gestiegene Produktivität – die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den vergangenen 25 Jahren stark verändert. „Ein Blick in die Vergangenheit sollte jeder nutzen, um die heutige Agrarstruktur besser zu verstehen und frei von Ideologie bewerten zu können“, erklärte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) heute in Schwerin.

Eine der viehärmsten Regionen Europas

Waren 1989 noch 183.000 Menschen in 1.055 landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt sind mittlerweile nur noch rund 19.000 Menschen in 4.725 Betrieben direkt in der Landwirtschaft tätig. Mit dem Verlust an Arbeitsplätzen ging auch ein enormer Verlust an Tierhaltungsplätzen einher. So wurden 1989 auf dem heutigen Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern 1,3 Millionen Rinder gehalten, im letzten Jahr waren es noch 535.000. Der Bestand der Schweine ging im gleichen Zeitraum von 2,7 Millionen auf 904.000 zurück. Damit gehöre das Bundesland mittlerweile zu den viehärmsten Regionen Europas. Viele Tiere wurden damals unter Bedingungen gehalten, die der heutigen Rechtssprechung nicht standhalten würden, stellt Backhaus fest.

Backhaus kritisiert den Bund
Klare Worte findet der Landwirtschaftsminister zu Bodenpolitik: „Boden ist zur Kapitalanlage und zum Spekulationsobjekt geworden. Auch hier wirken die Gesetze des Marktes und die Macht des Geldes. Was sich in diesem Bereich vollzieht, macht mir große Sorgen und es ärgert mich. Vor allem, dass der Bund lieber privatisiert und Geld sehen will als Agrarstrukturpolitik zu betreiben, war und ist das falsche Signal an den Markt und damit an den Berufsstand vor allem im Lichte des Generationswechsels an der Spitze vieler Betriebe. Welcher junge Landwirt soll denn das Geld aufbringen, sich als Gesellschafter oder Genosse in ein solches Unternehmen einzukaufen?"

Überdurchschnittliche Erträge

Mittlerweile habe sich die Landwirtschaft sehr positiv entwickelt. In diesem Jahr belegt Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlichen Erträgen von 82,7 dt/ha bei Getreide den 3. und mit 40,9 dt/ha bei Raps bundesweit den 2. Platz. Sehr gut habe sich zudem der ökologische Landbau entwickelt. Mit einem Anteil von gut 9 Prozent an der Gesamtfläche und 784 Betrieben ist MV flächenmäßig auf Platz 4 in Deutschland. „Schlusslichter sind Niedersachsen mit 2,7 Prozent und Schleswig-Holstein mit 3,7 Prozent ihrer landwirtschaftlichen Fläche. Irgendetwas machen meine grünen Landwirtschaftsministerkollegen dort wohl anders als wir hier“, unterstrich der Minister.

Bodenpreise stiegen stark

Seit 1991 wurden im Nordosten 2,7 Mrd. € in Bodenkäufe investiert. Die Bodenpreise sind von rund 2.000 €/ha Mitte der 1990er drastisch auf 17.536 €/ha angestiegen.  (SB)
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