In Nordrhein-Westfalen sollen künftig die Schnäbel von Legehennen und Puten nicht mehr routinemäßig gekürzt werden. Die Landesregierung, die Landwirtschaftsverbände sowie Tierschutzorganisationen und Einzelhandelsunternehmen unterzeichneten dazu jetzt eine gemeinsamen Erklärung. Darin wird vereinbart, bis möglichst Ende 2016 auf das routinemäßige Schnäbelkürzen in der Geflügelhaltung zu verzichten, das derzeit europaweit gängige Praxis in der Geflügelzucht ist.

„Das Schnäbelkürzen soll in NRW schon bald der Vergangenheit angehören. Mit der heutigen Erklärung setzen wir gemeinsam ein wichtiges Zeichen für eine verantwortungsvolle Tierhaltung und mehr Tierwohl. Für eine tiergerechte Landwirtschaft und eine nachhaltige Tierhaltung in NRW müssen wir an einem Strang ziehen“, sagte Landwirtschaftsminister Johannes Remmel nach der Unterzeichnung.

Gängige Praxis in Europa

Das routinemäßige Kürzen der Schnäbel bei Legehennen wird in der konventionellen Geflügelhaltung überwiegend als wirksamste Methode gegen Kannibalismus und Federpicken bei Legehennen und Puten angesehen. Es wird in Europa bei Puten und Legehennen nahezu flächendeckend angewandt. Dabei wird mit Hilfe eines Infrarotverfahrens die Oberschnabelspitze des Schnabels bei den Eintagsküken gekürzt. Nach dem Tierschutzgesetz handelt es sich bei dem Eingriff des Schnabelkürzens um eine Amputation. Diese ist nur im Einzelfall auf der Grundlage einer behördlichen Ausnahmegenehmigung erlaubt.

Ausstiegsszenario für NRW

Mit einem gemeinsamen Pilotprojekt soll das von Bund und Ländern 2014 vereinbarte Ausstiegsszenario begleitet werden. Aus dem Einzelhandel unterstützen beispielsweise die Rewe Group und Lidl das Projekt. Sie haben ihr Interesse bekundet, entsprechendes Putenfleisch sowie Eier in ihren Filialen zu verkaufen. Die gemeinsame Erklärung beschreibt das Ausstiegsszenario für NRW. Die gemeinsame Erklärung beschreibt, wie auf der Grundlage eines gemeinsamen, wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekts künftig auf das routinemäßige Schnabelkürzen in der konventionellen Geflügelhaltung verzichtet werden soll.

Ein wichtiger Bestandteil sind dabei Veränderungen im System. Zur fachlichen Betreuung dieses Projektes richtet das Agrarministerium eine Koordinierungsstelle ein. Ende 2016 sollen die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet werden. „Unser oberstes Ziel bleibt, den Tieren Leid und Schmerzen zu ersparen. Unsere gemeinsame Erklärung beschreibt den Weg, wie dieses Ziel erreicht werden soll“, so WLV-Präsident Johannes Röring und RLV-Präsident Bernhard Conzen. (az)
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