UBA-Studie

Antibiotika im Grundwasser gefunden


Antibiotika aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung und aus der Nutzung durch den Menschen können im Grundwasser landen. Das zeigt die Studie „Aufklärung der Ursachen von Tierarzneimittelfunden im Grundwasser – Untersuchung eintragsgefährdeter Standorte in Norddeutschland“ des Umweltbundesamtes (UBA), deren Ergebnisse Anfang der Woche veröffentlicht wurden. Untersucht wurden elf ausgewählte, belastete Grundwasser-Messstellen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Die dort gefundenen Antibiotika-Rückstände stammen überwiegend aus der Landwirtschaft, stellte das UBA fest. Sie gelangten vor allem durch die Ausbringung von Gülle auf den Feldern ins Grundwasser. An zwei Messstellen konnte jedoch nachgewiesen werden, dass die teilweise sehr hohen Konzentrationen aus nahegelegenen Kleinkläranlagen stammen. Im ländlichen Raum sind viele Häuser außerhalb von Siedlungen nicht an das Kanalisationsnetz angeschlossen und haben daher eigene Kleinkläranlagen. Über die Abläufe der Kleinkläranlagen gelangen die Arzneimittel dann direkt ins oberflächennahe Grundwasser.

Schwellenwert empfohlen

„Das Grundwasser muss sauber bleiben. Daher empfiehlt das Umweltbundesamt einen Schwellenwert für Arzneimittel im Grundwasser“, kommentierte Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA, die Studienergebnisse. Dies sei vor allem geboten, da die Gefahr bestehe, dass sich multiresistente Keime bildeten. Zudem seien die Auswirkungen auf die Lebewesen im Boden und im Grundwasser nicht abzuschätzen. Die Höhe des Schwellenwerts für Arzneimittel sollte sich zunächst am Schwellenwert für Biozide und Pflanzenschutzmittel orientieren und bei 100 ng/l liegen, empfiehlt das UBA. Die Aufnahme eines Schwellenwertes in die Grundwasserverordnung würde dazu führen, dass das Grundwasser regelmäßiger auf Arzneimittel untersucht, Überschreitungen rechtzeitig erkannt und Eintragsursachen systematisch festgestellt werden.

Gute Zusammenarbeit mit Landwirten

Ausdrücklich weist das UBA auf die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten vor Ort bei Durchführung der Studie hin. Nahezu alle ansässigen Landwirte hätten bei der Ursachenaufklärung geholfen und Auskünfte zum Antibiotikaeinsatz bei ihren Tieren gegeben. „Wir freuen uns, dass die Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftsverbänden und Landwirten so gut funktioniert hat. Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit und bestätigt unseren kooperativen, lösungsorientierten Ansatz“, sagte Krautzberger.

Ergebnisse im Einzelnen

Im Einzelnen wurden wiederholt an zwei Messstellen sehr hohe Konzentrationen des Antibiotikums Sulfamethoxazol festgestellt, die aus der Anwendung beim Menschen stammen. Dies bestätigen Funde in den nahegelegenen Kleinkläranlagen. Das Tierarzneimittel Sulfadimidin wurde regelmäßig an neun aller elf Messstellen in geringen Konzentrationen gefunden. Bei der Hälfte der davon betroffenen Standorte konnte bisher eindeutig nachvollzogen werden, dass der Stoff aus der Anwendung der Medikamente im Stall über die Gülle in das Grundwasser gelangt ist. Der Wirkstoff Sulfadiazin und ein relevantes Abbauprodukt wurden ebenfalls häufig in geringen Konzentrationen gefunden. Der Wirkstoff wird fast ausschließlich als Tierarzneimittel eingesetzt. Der Stoff gelangt über die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf die Felder und mit der Versickerung ins Grundwasser. (pio)
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