Die EU-Verordnung VO (EG) 853/2004 fordert, dass Arzneimittel die innerhalb eines „sicherheitsrelevanten Zeitraums“ an die Tiere verabreicht worden sind, in der Lebensmittelketteninformation dokumentiert werden müssen. Aktuell wird auf europäischer Ebene darüber diskutiert, wie lang dieser Zeitraum sein soll. Im Gespräch ist dabei eine tierartunabhängige Frist von 60 Tagen. In einem Forschungsprojekt der Tierärztlichen Hochschule Hannover soll nun ermittelt werden, welche Frist bei Schweinen, Puten und Rindern aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Ziel des Projektes ist es unnötige Dokumentationspflichten für Landwirte zu vermeiden und gleichzeitig einen maximalen und gewinnbringenden Informationsgehalt der Lebensmittelketteninformation sicherzustellen.

Ausweitung von 7 auf 60 Tage möglich

Dokumentiert werden müssen unter anderem die Gabe von Arzneimitteln mit Wartezeiten innerhalb des „sicherheitsrelevanten Zeitraumes“. In Deutschland sind das derzeit sieben Tage vor der Schlachtung. Das heißt für alle Landwirte, dass sie verpflichtet sind, alle Arzneimittelanwendungen mit Wartezeiten innerhalb der letzten 7 Tage vor der Schlachtung in der Standarderklärung (Lebensmittelketteninformation) anzugeben. Eine Ausnahme besteht seit Kurzem für Masthähnchen, bei denen die Länge des „sicherheitsrelevanten Zeitraumes“ auf die Gesamtlebensdauer ausgedehnt wurde. Für alle anderen Tierarten könnte der Zeitraum von 7 auf 60 Tage ausgedehnt werden.

Daten werden in den Betrieben erhoben

Gesucht werden für das Forschungsprojekt 30 Putenmäster, 60 Rindermäster, 58 Kälbermäster, 42 Mastschweinemäster und 30 Betriebe, die Läufer aufziehen und die Endmast durchführen. Die notwendigen Daten werden direkt auf dem landwirtschaftlichem Betrieb bei einem Besuch erhoben. Eine Begehung des Stalles ist nicht notwendig. Die Datenerfassung dauert voraussichtlich mehrere Stunden. Benötigt werden Informationen zu den Gruppengrößen, den Einstallungs- und Schlachtdaten sowie zu den auf den Anwendungs- und Abgabebelegen festgehaltenen Arzneimittelanwendungen. Diese Daten werden jeweils rückblickend für das Jahr 2015 erhoben. Zusätzlich werden die Schlachtbefunddaten am zuständigen Schlachthof erfragt. Sämtliche Daten werden nach den Richtlinien des Datenschutzgesetzes vertraulich behandelt und verschlüsselt.

Allen Studienteilnehmern wird je Besuch eine Aufwandsentschädigung von 60 € gezahlt. Um die erhobenen Daten auch für den eigenen Betrieb, zur Sicherung der Tiergesundheit nutzen zu können, erhalten alle Landwirte nach Abschluss des Projektes eine Auswertung zum Arzneimitteleinsatz ihres Bestandes sowie zum Vergleich eine anonymisierte zusammenfassende Auswertung von Informationen der anderen Studienteilnehmer.

Weitere Informationen zum Projekt geben Dr. Silvia Pingen (0511/856 7316 - Rinder), Franziska Schill 0511/856 7435 - Puten) und Dr. Johanna Popp (0511/856 7456 - Schweine)
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