Die Liberalisierung des Zuckermarktes verlange eine „wirkungsvolle politische Begleitung“, erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied heute bei einem Treffen europäischer Rübenanbauer in Berlin. Wenn am 1. Oktober 2017 nach fast 50 Jahren die Zuckermarktordnung ausläuft, stünden die Rübenbauern unmittelbar im Wettbewerb mit den großen Erzeugungsregionen Brasilien, Thailand und Indien, in denen kostengünstig Zuckerrohr angebaut werde. Aufgehoben werden müsste die Exportbeschränkung von 1,37 Mio. t für europäischen Zucker, forderte Rukwied vor den Vetretern der Internationalen Vereinigung der Europäischen Rübenanbauer (Cibe).

Nationale Regelungen verzerren Wettbewerb

Durch das Ende der Zuckermarktordnung mit Mengenregulierung und Rübenmindestpreis werde auch auf dem letzten regulierten europäischen Agrarmarkt Liberalisierung und Globalisierung Einzug halten.  „Die Rübenanbauer müssen künftig Lieferbedingungen, Mengen- und Preiskonditionen ebenso verhandeln wie Transportkosten“, stellte Rukwied fest. Ganz entscheidend werde aber sein, welchen unternehmerischen Gestaltungsrahmen ihnen die EU-Agrarpolitik lasse. Innerhalb der EU werde der Wettbewerb durch die unterschiedliche Umsetzung des Greenings in den EU-Mitgliedstaaten sowie die Möglichkeit der Teilkoppelung der Direktzahlungen verzerrt. „Wir brauchen in der EU-Agrarpolitik wieder Einheitlichkeit, Vereinfachung und Entbürokratisierung“, forderte der Bauernpräsident.

Außenschutz für EU-Markt erhalten

Da die außereuropäischen Zuckerproduzenten weiterhin Wettbewerbsvorteile durch Produktionssubventionen und Marktordnungen hätten, sollte laut Rukwied zudem der Außenschutz für den europäischen Zuckermarkt erhalten und nicht durch bilaterale Handelsabkommen weiter ausgehöhlt werden. (az)
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