Vier Monate besteht nun Stallpflicht für Geflügel in Mecklenburg-Vorpommern. Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt will nun Druck aus der Situation nehmen und ermöglicht Ausnahmen für die Aufstallungspflicht. Es hat dazu am Mittwoch einen entsprechenden Erlass an die zuständigen Behörden herausgegeben. Demnach können die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter der Landkreise und kreisfreien Städten in begründeten Einzelfällen und nach vorheriger Bewertung des örtlichen Risikos Ausnahmen von der Aufstallungspflicht erteilen.

Ausstieg aus der Aufstallungsplicht
Das Backhaus-Ressort sieht einen Ausstieg aus der landesweiten Pflicht zur Ausstallung des Geflügels in fünf Schritten vor, die im Falle einer Verbesserung der Lage greifen soll.

1. Fortführung der Aufstallung mindestens in den beschriebenen Risikogebieten (Wildvogelrast- und –sammelgebieten),

2. Erforderlichenfalls zusätzliche Aufstallung in Gebieten, die außerhalb der beschriebenen Risikogebiete liegen, in denen Ausbrüche festgestellt wurden.

3. Darüber hinaus können die Kreise weitere Festlegungen zur Aufstallung in eigener Verantwortung, z.B. auf Grund einer hohen Geflügeldichte in Verbindung mit einer Risikobewertung in einem Gebiet, treffen. Hierbei wird auf eine Geflügeldichte von >= 500/km2 orientiert. Diese Regelung soll dem Schutz großer gewerblicher Betriebe dienen. In diesem Fall ist eine Folgenabschätzung der wirtschaftlichen Risiken durch Tierverluste oder einzurichtender Restriktionsgebiete unerlässlich.

4. Grundsätzlich soll den zuständigen Behörden auch die Möglichkeit zur Erteilung von Ausnahmen in Risiko- und Restriktionsgebieten in eigener Verantwortung gegeben werden, und zwar in den Fällen, wo die Aufstallung aus tatsächlichen Gründen nicht möglich ist und ein Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel wirksam unterbunden wird.

5. Zudem gilt es in den Betrieben weiterhin, die Biosicherheitsvorgaben der Geflügelpest-Verordnung (§§ 2 bis 6) zu beachten und zu kontrollieren. Flankierend gilt noch bis einschließlich 19.05.2017 die Eilverordnung des Bundes über besondere Schutzmaßregeln in kleinen Geflügelhaltungen bis einschließlich 1.000 Stück Geflügel.
"Unter der Voraussetzung, dass sich die Seuchenlage im Wildvogelbereich in Mecklenburg-Vorpommern weiter beruhigt, der Vogelzug also weitestgehend abgeschlossen ist und möglichst keine neuen Ausbrüche im Hausgeflügelbereich dazu kommen, werden weitere Maßnahmen zur Lockerung der landesweiten Aufstallung folgen“, sagte Dr. Jürgen Buchwald, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern. Zum jetzigen Zeitpunkt sei allerdings noch kein Absinken der Nachweise zu erkennen.

H5N8-Nachweise nehmen wieder zu

Seit einer Woche stelle das Land jedoch fest, dass die H5N8-Nachweise bei Wildvögeln wieder zunehmen, sagte Buchwald. Und zwar auch in Landkreisen, die seit Beginn des Jahres nicht mehr betroffen gewesen seien. "Auch der Ausbruch in einem Heimattierpark in Greifswald in der vergangenen Woche zeigt, dass sich das Risiko nicht verringert hat. Aus Schleswig-Holstein wissen wir, dass im Monat Februar im Wildvogelbereich mehr Virusnachweise ermittelt wurden als im Dezember und Januar zusammen“, sagte Buchwald.

Die Aufstallung sei nach wie vor ein wichtiges Element im Kampf gegen die Tierseuche, bei dem es darauf ankommt, den Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel wirkungsvoll zu unterbinden. Trotz der weiterhin angespannten Lage in vielen Regionen des Landes, hat das Ressort von MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) eine Strategie zum Ausstieg aus der landesweiten Pflicht zur Ausstallung des Geflügels erarbeitet (siehe Kasten), die im Falle einer Verbesserung der Lage fünf Schritte vorsieht. „Wir haben die aktuelle Seuchenlage in enger Abstimmung mit Schleswig-Holstein bewertet und gehen im Grundsatz ähnliche Schritte. Denn Mecklenburg-Vorpommern ist wie Schleswig-Holstein Drehscheibe des internationalen Vogelzuges. Das unterscheidet uns gravierend von anderen Bundesländern“, betonte Buchwald.

Zusätzliche Risiken für Ansteckung

Derzeit kommen Arten, die weiter südwestlich überwintert haben, zu einer Zwischenrast nach Schleswig-Holstein (z.B. Zwergschwäne oder Ringelgänse aus den Niederlanden/England), bevor sie dann im März/April/Mai in die arktischen Brutgebiete abziehen. Die Wildvögel überqueren dabei weite Teile des Landes oder rasten hier. Das erhöht für diese Zeit noch einmal die Risiken der gegenseitigen Ansteckung zwischen Zug- und Standvögeln und dadurch der weiteren Verbreitung des Virus. Dieses Risikokriterium sinkt, wenn die Zugvögel das Land verlassen und damit insgesamt die Vogeldichte abnimmt.

Seit dem ersten H5N8-Nachweis bei einem Wildvogel am 9. November 2016 wurden allein in Mecklenburg-Vorpommern in 15 Hausgeflügelhaltungen, Zoos und ähnlichen Einrichtungen sowie in 98 Fällen bei Wildvögeln Vogelgrippe amtlich festgestellt. Im gesamten Bundesgebiet waren es bislang 81 Ausbrüche bei gehaltenen Vögeln und über 1.100 bei Wildvögeln. Ein Geflügelpestseuchenzug dieses Ausmaßes, räumlich und zeitlich gesehen, hat es in Deutschland und Europa zuvor nicht gegeben. (got)
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