Synchrone Brunst

BUND attackiert Sauenhalter

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will am morgigen Dienstag eine wissenschaftliche Studie „Zum Einsatz von Hormonen in der intensiven Schweinehaltung" vorstellen. Vorab hat das NDR Fernsehen nach eigener Aussage „exklusiv" Einblick in die Studie erhalten.
 

Bessere Abläufe im Stall

Zugelassene Mittel
In Deutschland sind 26 hormonhaltige Präparate für die Anwendung in der Sauenhaltung zugelassen, schreibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin auf Nachfrage des NDR Fernsehens. Diese Arzneimittel müssen immer von einem Tierarzt verordnet werden, doch der Einsatzgrund muss nicht zwingend eine Erkrankung sein. Im Rahmen der Zulassung von Tierarzneimitteln zur Brunst- oder Geburtssynchronisation bei Sauen seien der Behörde auch "keine negativen Folgen für die Umwelt bekannt geworden", so das BVL. (az)
Danach bekommen Sauen Hormone, damit Betriebe die Abläufe im Stall von der Besamung bis zur Geburt der Ferkel besser planen können. Mit Hilfe der Medikamente wird der Sexualzyklus der Tiere so gesteuert, dass die Sauen nahezu gleichzeitig trächtig werden und schließlich ihre Ferkel parallel zur Welt bringen. Ein weiteres Ziel sei es, so die Ergebnisse der Studie, die Leistung der Sauen zu verbessern. Durch die Hormone sollten die Sauen mehr Eizellen entwickeln, die befruchtet werden können, um somit mehr Ferkel zu gebären.

Umweltorgansisation fordert Verbot

Der BUND fordert als Konsequenz ein Verbot von Hormonen, die zu nicht-medizinischen Zwecken eingesetzt werden. Es gehe nicht darum, kranke Tiere zu behandeln, sondern nur darum, einen „Industrialisierungsprozess in der Tierhaltung mit Hormonen zu schmieren", sagte die Landwirtschaftsexpertin des BUND, Reinhild Benning, gegenüber dem NDR Fernsehen. Die Gesundheit der Sauen würde durch die hohe Ferkelzahl belastet.

Außerdem befürchtet der BUND, dass die verabreichten Hormone über die Ausscheidungen der Tiere in die Umwelt gelangten und so Böden und Gewässer belasteten.

Studie aus Eberswalde

Die Studie zum Hormoneneinsatz hat Bernhard Hörning, Professor an der Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, im Auftrag des BUND erstellt. Hörning kommt zu dem Schluss, dass die Hormongabe eine weitere „Intensivierung der konventionellen Sauenhaltung" fördere. Die Umweltschutzorganisation wird die Studie am Dienstag, 7. Januar, offiziell in Berlin vorstellen. 
 

Fleischatlas folgt

Am Donnerstag, 9. Januar, geht es in Berlin gleich weiter. Dann will der BUND zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung den „Fleischatlas 2014" vorstellen. Er soll unter anderem Informationen erhalten, dass deutsche Verbraucher in den Supermärkten bald Fleisch und Milch von Tieren finden werden, die mit Wachstumshormonen behandelt worden sind, berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel vorab. Als Grund wird hier das bevorstehende Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU genannt, in dem Handelshemmnisse der EU für hormonbehandelte Maststiere aufgehoben werden könnten. (db)
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