Die vom schleswig-holsteinischen Agrarminister Robert Habeck (Grüne) in Erwägung gezogene Pflanzenschutzsteuer weist der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) entschieden zurück. Das Helmholtz-Institut für Umweltforschung hatte im Auftrag des Landwirtschafts- und Umweltministeriums Schleswig-Holstein ein Gutachten über die Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel in Deutschland angefertigt und empfohlen, eine Pflanzenschutzsteuer einzuführen. Das Ministerium will nun eine geeignete Minimierungsstrategie für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln diskutieren und sieht einen wesentlichen Ansatz darin, über höhere Preise für Pflanzenschutzmittel eine Lenkungswirkung zu erzielen.

Steuer ist ein Irrweg

„Zu glauben, mit einer Pflanzenschutz-Steuer ließe sich ein ökonomischer Anreiz zur Verringerung von Pflanzenschutz-Anwendungen schaffen, ist ein Irrweg“, betont der Geschäftsführer des BVA, Arnim Rohwer. In den Ländern wie Frankreich, das eine derartige Steuer eingeführt hat, sei der gewünschte Lenkungseffekt nicht zu erkennen. „Das ist auch nicht verwunderlich, da sich der Pflanzenschutzmitteleinsatz nicht an politische Vorgaben, sondern an agronomischen Erfordernissen orientiert“, so Rohwer weiter. Auch in Dänemark sei die Steuereinführung 1986 erfolglos gewesen: Zwar habe sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nach der Einführung vorübergehend verringert. Aber heute werde mit gut 6.000 t pro Jahr fast wieder das Niveau von damals erreicht, so Rohwer.

Beratungsangebote ausweiten

In Deutschland werden Pflanzenschutzmittel von beruflichen Anwendern mit Sachkundenachweis nach „guter fachlicher Praxis“ ausgebracht. Werden alle gesetzlichen Vorgaben und die für das jeweilige Mittel festgelegten Anwendungsbestimmungen eingehalten, stellen Pflanzenschutzmittel keine Gefahr für die Umwelt dar. Etwaige Verunreinigungen von Gewässern und Böden seien ausnahmslos auf unsachgemäße Mittelanwendungen zurückzuführen, erklärt Rohwer. Und diese werden auch über eine Besteuerung von Pflanzenschutzmitteln nicht unterbunden. Aus BVA-Sicht wäre in diesen Fällen ein wirkungsvoller Minimierungsansatz die Ausweitung des Beratungsangebots, zusätzlich zur Fortbildungspflicht für sachkundige Anwender. (SB)

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