Geflügelfleisch

BVL fordert bessere Hygiene


In jedem zweiten in Deutschland geschlachtete Masthähnchen wurden im Jahr 2013 potenziell krankmachende Keime gefunden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) fordert deshalb in dem heute veröffentlichten Bericht zum Zoonosenmonitoring 2013, die Geflügelschlachthygiene umfassend zu verbessern. Bei den Resistenzuntersuchungen zeigt sich ein positiver Trend. Hier stellt das BVL gegenüber den Vorjahren einen leichten Rückgang der Resistenzen fest.
Jedes zweite Masthähnchen enthält potentiell krankmachende Keime, kritisiert das BVL.
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Jedes zweite Masthähnchen enthält potentiell krankmachende Keime, kritisiert das BVL.

Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings 2013 wurden insgesamt 5.669 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen und von den Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer auf das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger untersucht. Dabei wurden 3.515 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht.

Kontaminationsrate gestiegen

Die Kontaminationsrate der Schlachtkörper von Masthähnchen mit Campylobacter spp. (52,3 Prozent positive Halshautproben) hat sich im Vergleich zum Zoonosen-Monitoring 2011 (40,9 Prozent positive Halshautproben) noch deutlich erhöht. Auch frisches Hähnchenfleisch war mit 37,5 Prozent positiver Proben wiederholt häufig mit Campylobacter spp. belastet. Etwa 20 Prozent der Schlachtkörperproben wiesen Keimzahlen oberhalb des in der EU diskutierten Grenzwertes für Campylobacter spp. von 1.000 KbE/g auf. Angesichts der hohen Zahl an Erkrankungen des Menschen an einer Campylobacter-Infektion bestehe aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes Handlungsbedarf, betont das BVL Die Anstrengungen zur Einhaltung guter Hygienepraktiken bei der Geflügelschlachtung müssten intensiviert werden.

MRSA

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden auf etwa der Hälfte der Masthähnchenschlachtkörper (49,0 Prozent positive Halshautproben) und in rund 20 Prozent der Proben von frischem Hähnchenfleisch nachgewiesen. Bei den nachgewiesenen MRSA-Typen handelte es sich überwiegend um sogenannte „Nutztier-assoziierte“ MRSA-Stämme, so dass von einer Übertragung der Keime von den Tieren auf die Lebensmittel im Zuge der Lebensmittelgewinnung auszugehen ist. Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft sei der Verzehr oder die Handhabung von mit MRSA kontaminierten Lebensmitteln nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, durch diese Bakterien besiedelt oder infiziert zu werden, so die Behörde. Ein solches Risiko besteht dagegen für Menschen, die einen häufigen Kontakt zu Tierbeständen haben, wie Landwirte und Tierärzte.

Weniger Resistenzen

Im Vergleich zu den Vorjahren wurde im Zoonosen-Monitoring 2013 bei den Antibiotikaresistenzuntersuchungen tendenziell ein Rückgang der Resistenzen beobachtet. 44,4 Prozent der Salmonella-Isolate aus Hähnchenfleisch und 23,7 Prozent der Isolate von Masthähnchenschlachtkörpern waren resistent gegenüber den getesteten Antibiotika. Als positiv zu bewerten sei die im Jahr 2013 im Vergleich zu 2011 beobachtete geringere Resistenzrate von Isolaten aus Hähnchenfleisch gegenüber dem in der Humanmedizin bedeutenden Wirkstoff Ciprofloxacin, die von 52,3 Prozent auf 39,1Prozent gesunken ist. (SB)
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