Das Zuchtverfahren führe zu keinen gentechnisch veränderten Pflanzen, stellte das BVL fest
-- , Foto: Johannes Kolhoff
Das Zuchtverfahren führe zu keinen gentechnisch veränderten Pflanzen, stellte das BVL fest

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist weiter der Auffassung, dass für den herbizidresistenten Sommer-Raps des Technologie-Unternehmens Cibus aus den USA kein Zulassungsverfahren nach Gentechnik-Gesetz notwendig ist. Gegen eine mögliche Zulassung als gewöhnliche Rapssorte hatten in Deutschland Gentechnik-Gegner mobil gemacht und bei der Behörde Widerspruch eingelegt.

Resistent gegen Herbizide
In den USA ist im Frühjahr der erste Cibus-Raps ausgesät worden, der mit einer neuen Methode entwickelt wurde. Er ist resistent gegen Sulfonylharnstoff-Herbizide. Dass diese Eigenschaft nicht mit konventioneller Kreuzungszüchtung in das Rapsgenom gelangt ist, ist in der Pflanze nicht nachweisbar. In Kanada soll die Vermarktung des SU-Canola 2016 starten. In Europa ist das Unternehmen Cibus nun auf der Suche nach Partnern für die Sortenentwicklung.
Das BVL habe diesen „Drittwiderspruch" gegen den Bescheid zur Einstufung eines herbizidresistenten Rapses der Firma Cibus nach eingehender Prüfung zurückgewiesen, teilte die Behörde mit. Das BVL hatte bereits am 5. Februar 2015 entschieden, dass die betroffenen Rapspflanzen nicht als GVO im Sinne des Gentechnikgesetzes (GenTG) einzustufen sind. Feldversuche mit diesen Pflanzen in Deutschland können daher ohne die erforderliche Genehmigung für Versuche mit GVO durchgeführt werden.

Das BVL ist zu dem Schluss gekommen, dass der Widerspruch sowohl unzulässig als auch unbegründet ist. Bei der Sorte Cibus wird das RTDS-Verfahren eingesetzt. Dabei werden "Gene Repair Oligonucleotides“ (GRONs) vorübergehend in Pflanzenzellen eingeführt. Diese sind laut BVL weder „neue Kombinationen von genetischem Material" noch „Erbgut". Die GRONs werden weder permanent noch vorübergehend in das Genom integriert. Nachdem die GRONs ihre mutagene Wirkung entfaltet haben, werden sie innerhalb weniger Stunden wieder abgebaut.

Fortgeschrittene Züchtungstechnik, aber keine GVO

Das verwendete Verfahren sei eine fortgeschrittene Züchtungstechnik, die jedoch nicht zu GVO führe, begründet die Behörde ihre Entscheidung. Die Anwendung von GRONs auf pflanzliche Zellen sei vielmehr ein Verfahren der Mutagenese, bei dem im Pflanzengenom ortsspezifisch Punktmutationen bewirkt werden. Unter Mutagenese versteht man die Veränderung des genetischen Materials durch äußere Einflüsse, z. B. durch Strahlung oder Chemikalien. Die durch GRONs ausgelösten Punktmutationen seien nicht unterscheidbar von solchen, die durch Mutagenese mittels Chemikalien oder Strahlung hervorgerufen wurden oder spontan unter natürlichen Bedingungen entstehen können. Das RTDS-Verfahren falle daher unter den Begriff der Mutagenese nach § 3 Nr. 3b GenTG und ist damit kein Verfahren der Veränderung von genetischem Material im Sinne der GVO-Definition des GenTG.

Mutagenese wird seit Jahrzehnten in der konventionellen Pflanzenzüchtung eingesetzt, ohne dass die mit Hilfe dieses Verfahrens gezüchteten Pflanzen besonderen Zulassungsanforderungen unterliegen, betont das BVL. (az)
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