Tierhaltung

Backhaus gegen Verunglimpfung


Befürworter und Kritiker der Nutztierhaltung führen in Mecklenburg-Vorpommern eine emotionale Diskussion. Dabei werde die Tierhaltung regelmäßig durch Schlagwörter, wie „Massentierhaltung“ und „Mega-Ställe“, verunglimpft, stellt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus fest. „Abgesehen davon, dass Begriffe, wie Massentierhaltung und Mega-Ställe jedweder wissenschaftlichen oder gesellschaftlich anerkannten Definition entbehren, werden damit in erster Linie negative Emotionen geschürt“, kritisiert der SPD-Politiker.

Viehdichte geringer als im Bundesdurchschnitt

Eine fundierte Analyse der tatsächlichen Herausforderungen komme in öffentlichen Debatten eindeutig zu kurz. Richtig sei, dass in Mecklenburg-Vorpommern auf die Fläche bezogen mit 0,4 Großvieheinheiten je Hektar (GV/ha) weniger Nutztiere gehalten werden als im Bundesdurchschnitt (0,8 GV/ha). Er liegt weit unter den Tierdichten der viehintensiven Länder Nordrhein-Westfalen mit 1,35 GV/ha, Niedersachsen mit 1,25 GV/ha oder Schleswig-Holstein mit 1,07 GV/ha.

Tierwohl eine Frage des Managements

Richtig sei, dass es im Nordosten historisch bedingt größere landwirtschaftliche Betriebe gibt und sich das auch auf die Größe der Ställe auswirkt. Negative Auswirkungen großer Tierhaltungsanlagen auf das Tierwohl seien aber nicht nachgewiesen, betont der Minister. Tierwohl lasse sich nicht anhand von Stallgrößen oder Bestandsobergrenzen messen. Was zähle, ist das richtige Management und der Blick auf das Wohl des einzelnen Tieres.

Bundesimmissionsschutzgesetz überarbeiten

Grundlage für die Genehmigung sogenannter „Megaställe" sei das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), das unter der grünen Bundesagrarministerin Künast in der vorliegenden Form verabschiedet wurde und in Mecklenburg-Vorpommern in Verantwortung des Wirtschaftsministeriums umgesetzt wird. „Auch dank der Initiative von MV soll das Bundesimmissionsschutzgesetz überarbeitet werden, damit künftig auch Genehmigungen kleinerer Haltungsbetriebe auf dieser Grundlage verhandelt werden können und potenzielle Umweltauswirkungen noch besser im Blick bleiben“, betont Backhaus.

Förderung von Ställen angepasst

Die Förderpolitik seines Ministeriums richte sich auf eine nachhaltige und tierartgerechte Landwirtschaft aus. So wurde das förderfähige Investitionsvolumen gegenüber den bundesweiten Festlegungen um 500.000 Euro vermindert und auf 1,5 Mio. € begrenzt. Legt man die üblichen Investitionskosten je Tierplatz zugrunde, sind damit Investitionen für ca. 250 Milchkühe, 430 Sauen oder 2460 Mastschweinplätze förderfähig. „Hierbei handelt es sich um Größenordnungen, die keinesfalls in die Kategorie ‚Massentierhaltung‘ fallen“, stellt Backhaus fest.

Der Minister weist auch darauf hin, dass kein Wirtschaftsbereich mit Blick auf Beihilfezahlungen so transparent ist, wie die Landwirtschaft. Interessierte können sich zur Fördermittelvergabe über die Europäischen Agrar- und Fischereifonds frei und umfassend informieren. (SB)
stats