Milchmarkt

Backhaus sieht Marktpartner in der Pflicht


Als vor einem Jahr die Milchquote in der Europäischen Union endete, wurden die Milcherzeuger in einen weitgehend unregulierten Markt entlassen. Seit April 2015 sind sie dem angebots- und nachfrageabhängigem Marktgeschehen ausgesetzt. „Mit dem Auslaufen der Quotenregelung haben die Milcherzeuger und die Molkereien nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung zurückerhalten, die Rohmilchmenge selbst zu bestimmen“, erklärt dazu Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft in Schwerin. In Vorbereitung auf das Quotenende sei immer wieder darauf verwiesen worden, dass Marktschwankungen zunehmen werden. Das Ende der Quotenreglung sei nun zufällig in eine Krisenzeit gefallen, die den Transformationsprozess hin zu verlässlichen Mengenabgaben und stabilen Auszahlungspreisen zusätzlich erschwere. „Gesetzliche Regelungen können die Kräfte des globalen Marktes nicht aushebeln und würden letztlich eine Kehrtwende in der Politik zurück zu staatlicher Steuerung bedeuten“, warnt der Minister.

Molkereien sollen Angebot bündeln

„Es bedarf in erster Linie veränderter Beziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien, beide Partner müssen hier gemeinsam neue Wege gehen“, fordert der SPD-Politiker. Angebot und Nachfrage müssten wieder ins Gleichgewicht gebracht werden, hier seien die Marktpartner, aber auch die Verbraucher gefragt. Sie müssten ihrer vielfach geäußerten Forderung nach guten Lebensmitteln aus heimischer Produktion auch flächendeckend Taten folgen lassen und die Arbeit der Landwirte an der Kasse entsprechend entlohnen. Hohe Qualität, mehr Tier- und Umweltschutz gebe es nicht zum Nulltarif.

„Runden Tisch Milch“ einberufen

Als Landwirtschaftsminister und Vorsitzender der Agrarministerkonferenz 2016 betrachte er es dennoch als seine Aufgabe und seine Pflicht den Bauern in MV den Rücken zu stärken. Für den 5. April habe er deshalb den „Runden Tisch Milch“ einberufen. Auch auf den kommenden Agrarministerkonferenzen im April und im September werde er die Situation der Landwirtschaft weiter fest im Blick behalten.

Handel soll Bogen nicht überspannen

Die Marktpartner ruft Backhaus bei den laufenden Vertragsverhandlungen dazu auf, mit Augenmaß vorzugehen: Molkereien müssten ihr Angebot stärker bündeln, um erfolgreicher am Markt agieren zu können. Der stark konzentrierte Lebensmitteleinzelhandel dürfe den Bogen nicht überreizen, will er auch in Zukunft hochwertige Produkte aus heimischer Produktion anbieten. (SB)
stats