Westfalen

Bauern gehen in die Offensive

Mehr Verständnis zwischen den Bauernfamilien und der Bevölkerung und eine breite Akzeptanz für die landwirtschaftliche Praxis – dies sind die Ziele einer neuen Initiative, die heute vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Kern des Programms sind konkrete Projekte, durch deren Umsetzung das Leben und Wirtschaften auf den Höfen in den kommenden Jahren sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger werden soll. Die als „Offensive Nachhaltigkeit“ bezeichnete Initiative will die Verbandsspitze in den kommenden Monaten mit allen Mitgliedern intensiv diskutieren.

Runde Tische für Biodiversität

Dabei dürfte es hitzige Diskussionen geben, denn die Arbeitsgruppe, die für verschiedene Handlungsfelder Vorschläge erarbeitete, hat auch einige heiße Eisen angepackt. So sollen sich die Landwirte dazu verpflichten, im Ackerbau die Bewirtschaftungsgrenzen nicht zu überschreiten. Auch bei Düngung und Pflanzenschutz sollen die vorgeschriebenen Abstände zu private und öffentlichen Grundstücken in Zukunft eingehalten werden. Deutlich steigern will der WLV den Anbau von Leguminosen und die Beteiligung an Agrarumweltmaßnahmen. Stärker engagiere sollen sich die Landwirte beim Thema Artenschutz, indem Betriebe „Rückzugsräume und Nischen zum Erhalt der Biodiversität schaffen“. Naturschützer und -Nutzer sowie Wissenschaftler und Politiker sollen zu runden Tischen eingeladen werden.

Tierwohl und Tiergesundheit verbessern

Bei der Veredelung stehen Fragen des Tierwohls im Vordergrund. Stichworte sind hier die Enthornung von Kühen, die Anbindehaltung bei Rindern und das Kupieren von Schweineschwänzen. In der Schweihaltung soll ein Tiergesundheitsindex eingeführt werden, in den Daten aus der Schlachtkörperbewertung einfließen. In der Rinderhaltung soll der Weidegang ausgeweitet und die Sterblichkeitsrate männlicher Kälber gesenkt werden. In der Zucht wünscht sich der WLF eine stärkere Berücksichtigung von Tiergesundheit und Tierverhalten.

Auf Wertewandel und gestiegene Ansprüche reagieren

„Wir sind und bleiben die politische Interessenvertretung der Bauernfamilien und werden uns auch künftig vor allem für vernünftige wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft einsetzen. Unser Selbstverständnis und unser Leitbild verpflichten uns aber auch, verantwortungsvoll auf den durchgreifenden Wertewandel in unserer Gesellschaft und die gestiegenen Ansprüche vieler Menschen an die Landwirtschaft zu reagieren. Wir stellen uns dieser Herausforderung, auch wenn unsere Branche aktuell wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten erlebt“, sagte WLV-Präsident Johannes Röring heute in Münster. (SB)
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