Rund 90 Prozent der Schweine weisen entzündliche Veränderungen an den Gliedmaßen auf. Dieses Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie der tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) präsentierte der BUND zu Wochenbeginn. Der München Professor Manfred Gareis vom Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit, der verantwortlich für die Studie ist, stellt das Ergebnis hingegen differenzierter dar, teilt nun der Bayerische Bauernverband (BBV) mit.

Keine Aufforderung zur Strohhaltung

„Hochgradige Veränderungen haben wir nur bei 0,7 Prozent der Schweine festgestellt. Bei 43,4 Prozent waren es mittelgradige Veränderungen. 55,9 Prozent der Tiere wiesen nur geringgradige (47,7 Prozent) bis keine Veränderungen (8,2 Prozent) auf.“ Durch die bewusste Zuspitzung und unzulässige Schlussfolgerungen bezogen auf Ursachen und Konsequenzen instrumentalisiere der BUND die Studie für seine Pauschalkritik an der Nutztierhaltung, kritisiert der Bauernverband. So werde gefordert, dass Schweine auf Stroh gehalten werden sollten. „Das Ergebnis der Studie darf natürlich nicht voreilig als Aufforderung zur Strohhaltung fehlinterpretiert werden“, sagt Professor Gareis.

„Ziel der Studie war die Bestandserhebung von Gliedmaßenveränderungen bei Anlieferung der Tiere an den Schlachthof und nach der Schlachtung. Nicht untersucht wurden die Ursachen für die Veränderungen sowie die Haltungsbedingungen der Tiere auf Bestandsebene. Diese und weitere offene Fragen müssen daher erst in einer Folgestudie geklärt werden“, sagte Professor Gareis bei einem Gespräch mit Vertretern des BBV, des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, des Tiergesundheitsdiensts Bayern, der Ringgemeinschaft Bayern und des Fleischprüfrings Bayern.

Gerhard Stadler, Präsident BBV-Niederbayern und Vorsitzender des Landesfachausschusses für tierische Erzeugung betont: „Diskussionen über Tierhaltung müssen auf der Basis von Fakten und nicht von Vermutungen geführt werden. Schlagzeilenträchtige, unsachliche Rundumschläge wie vom BUND gegen unsere Tierhalter sind fehl am Platz!“

Risikofaktoren analysieren

In der Studie wurden 948 Schweine von drei Schlachthöfen untersucht, davon zwei Schlachthöfe in Bayern. Nicht erfasst wurde von welchen Betrieben die untersuchten Tiere stammten und wie die Tiere gehalten wurden. So konnte auch nicht untersucht werden, ob die festgestellten Veränderungen an den Haltungsbedingungen, am Management, der Genetik oder vielleicht der Fütterung liegen. „Es muss daher eine Analyse der Risikofaktoren durchgeführt werden, um herauszufinden, welche Faktoren zu den Gelenkveränderungen führen und insbesondere wie sich Unterschiede erklären lassen“, sagt Professor Gareis. „Es liegt auf der Hand, dass gerade die Rasse und die Fütterung der Schweine eine wesentliche Rolle spielen“, sagt auch Stephan Neher, Vorsitzender der Ringgemeinschaft. Dr. Georg Beck vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium berichtete über bereits angelaufene weiterführende Erhebungen an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Die Gesprächsteilnehmer stimmten überein, dass weitere Forschung nötig ist und dies in einem koordinierten Konzept erfolgen soll, in das neben den zuständigen Fakultäten der LMU auch die Landesanstalt für Landwirtschaft sowie die landwirtschaftlichen Selbsthilfeeinrichtungen Tiergesundheitsdienst und Fleischprüfring eingebunden werden. „Es ist unstrittig, dass es sich hier nicht um ein spezifisches bayerisches Thema handelt. Trotzdem sollten wir die in Bayern vorhandene Forschungskompetenz nutzen, um weitergehende Fragen insbesondere bezüglich Einflussfaktoren und Tierschutzrelevanz zu klären“, fordert Anton Kreitmair, Präsident BBV-Oberbayern. Professor Gareis habe dazu unter Mitwirkung aller Beteiligten bereits ein Forschungskonzept erarbeitet, dass derzeit noch einmal aktualisiert wird, so der BBV. (az)
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