Klimavertrag

Bauernverband begrüßt Einigung


Die Pariser Einigung für ein neues Weltklimaabkommen stellt die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherung deutlich heraus. „Die Vereinbarung von Paris anerkennt die fundamentale Priorität der Sicherung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung und weist der Landwirtschaft eine besondere Rolle zu“, bekräftigt der Deutsche Bauernverband (DBV). Der Klimawandel gefährde die Produktion von Nahrungsmitteln und somit die weltweiten Anstrengungen zur Beseitigung des Hungers, die Auswirkungen des Klimawandels seien bereits zu spüren. Die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel sei daher die vorrangige Aufgabe, betonte der DBV. Die Schlüsselfunktion der Land- und Forstwirtschaft beim Klimaschutz erfordere eine besondere Behandlung dieses Sektors. Denn neben der besonderen Rolle der Sicherung der Ernährung sei nur die Land- und Forstwirtschaft in der Lage, im Rahmen ihrer Produktion über die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energien einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Ökostrom schneller ausbauen

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) fordert als Konsequenz der Pariser Beschlüsse, die nationalen und europäischen Ausbauziele für Erneuerbare Energien anzuheben. Im Stromsektor könnte in Deutschland bereits 2020 ein Anteil von über 45 Prozent Ökostrom erreicht werden, fünf Jahre schneller als von der Bundesregierung vorgesehen. Auch aus Brüssel seien für alle EU-Staaten deutlich ambitioniertere und verbindliche Ausbauziele erforderlich, fordert der Verband. Deutschen Unternehmen würden sich große Chancen bieten, ihre Technologieführerschaft bei Wind-, Sonnen- und Biomassekraftwerken und in der Effizienztechnik in Exporterfolge umzumünzen.

Methan aus Gülle nutzen

Der Fachverband Biogas weist auf die Potentiale der Biogasproduktion hin. Als Teil des landwirtschaftlichen Produktionsprozesses würden Biogasanlagen einen „beachtlichen Beitrag bei der Vermeidung von Methanemissionen“ leisten. Das im Vergleich zu CO2 um ein vielfaches klimaschädlichere Methan entsteht bei der offenen Lagerung von Gülle – und gelangt von dort direkt in die Atmosphäre. In Biogasanlagen werde Methan aus Gülle aktiv erzeugt, aufgefangen und zu Energie umgewandelt. Rund drei Viertel der in den deutschen Ställen anfallenden Gülle werde bislang noch nicht in Biogasanlagen vergoren. Das sei nicht nur ein ungenutztes energetisches Reservoir. Hier liege zudem ein bedeutendes Klimagas-Einsparpotenzial: knapp sieben Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zusätzlich könnten allein in Deutschland durch die konsequente Vergärung der Gülle in Biogasanlagen der Atmosphäre erspart bleiben, rechnet der Verband vor. EU-weit ließen sich 45 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente durch güllebasierte Biogasanlagen vermeiden.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen notwendig

Kritisch äußern sich Wirtschaftsverbände zum Klimavertrag. „Leider bleibt das Abkommen in wesentlichen Punkten deutlich hinter dem zurück, was nötig wäre, um angemessene Klimaschutzanstrengungen fair und verbindlich zu vereinbaren“, sagt Holger Lösch aus der Hauptgeschäftsführung des Industrieverbands BDI der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Deutschland und Europa müssten ihre Industrien vor ungleichen Wettbewerbsbedingungen schützen, fordert der BDI. (SB)
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