Tausende Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gefährdet. Das geht aus dem ersten umfassenden Artenschutz-Report der Behörde hervor. Hauptursache für das Artensterben sei die intensive Landwirtschaft, heißt es in dem Bericht.

Viele Arten gefährdet
Laut Artenschutz-Report kommen in Deutschland insgesamt rund 72.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor. In der Roten Liste Deutschlands wurden demnach mehr als 32.000 heimische Spezies auf ihre Gefährdung hin untersucht: Rund 31 Prozent davon sind demnach in ihrem Bestand gefährdet, vier Prozent bereits ausgestorben.
Beim Deutschen Bauerverband (DBV) stößt diese Pauschalkritik auf Widerspruch. Heute wirtschafteten die Landwirte nachhaltiger und könnten die Ernährung der Weltbevölkerung besser sichern als noch vor 150 Jahren, argumentiert der DBV. Eine auf Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit ausgerichtete Landwirtschaft könne die Artenvielfalt des 19. Jahrhunderts nicht gewährleisten, die häufig vom Naturschutz als Maßstab herangezogen werde.

Flächenverlust das eigentliche Problem

Das Bundesamt dürfe den anhaltenden Flächenverlust der Landwirtschaft nicht ignorieren, der das eigentliche Problem darstelle, so der DBV. In Deutschland seien in den vergangenen 20 Jahren über 860.000 ha Fläche durch Siedlungen und Verkehr verloren gegangen. Verschärfte Flächenkonkurrenz und Verlust von Lebensräumen für Flora und Fauna seien die Folge. Heute könne die Landwirtschaft mehr Artenvielfalt über Vertragsnaturschutz, Agrarumweltprogramme und andere kooperative Instrumente erreichen. Die Bauern seien dazu bereit und hätten dies auch in zahlreichen Programmen mehr als bewiesen, hob der DBV hervor.

Naturschutz über Verbote gescheitert

Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, wenn das Bundesamt ständig neue und zusätzliche Gesetze und Schutzgebiete fordere. „Die vergangenen 20 Jahre haben bewiesen, dass Naturschutz über Verbote gescheitert ist“, stellte der DBV fest. Beim Naturschutz müsse endlich ein Umdenken stattfinden und eine echte Kooperation mit der Landwirtschaft gesucht werden, mahnte der DBV.

Auf Verwunderung stößt beim DBV, dass mit Wolf und Biber vom BfN zwei Beispiele für erfolgreichen Naturschutz angeführt werden. Denn deren Verbreitung träfe in Gesellschaft und Landwirtschaft zum Teil auf erheblichen Widerstand. Gerade diese beiden Arten würden zeigen, dass der Naturschutz nicht gegen die Sorgen von Bürgern, Landwirten und Grundeigentümern betrieben werden dürfe. (az)
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