Lebenmittelwirtschaft

Bei Essens-Steuern hört der Spaß auf

80 Prozent aller Verbraucher wollen selbstbestimmt einkaufen. Das geht aus der neuesten Studie des Vereins "Die Lebensmittelwirtschaft" hervor. In Zusammenarbeit mit der düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität wurde untersucht, wie die Deutschen zum Thema "Nudging" bei der Ernährung stehen. Seit 2014 taucht der Begriff "Nudging" häufiger in der deutschen Politik auf. Er steht für die sanfte Lenkung von Menschen in die erwünschte Richtung ohne scharfe Instrumente einzusetzen. 

Infos ja - Bevormundung nein


Aktuell ist in Deutschland kein Bevormundungsdruck bei Thema Essen festzustellen, lautet ein Studienergebnis. Diejenigen wenigen Verbraucher, die eine Bevormundung wahrnehmen, zählten eher zu der Gruppe der "verletzlichen Verbraucher". Die Deutschen wollen der Studie zufolge aber informiert und unterstützt werden. Informationskampagnen zum Thema Lebensmittel und Essen lehnten die wenigsten ab.

Lebensmittelwirtschaft als Bevormunder wahrgenommen


Das Wochenmagazin "Der Spiegel" interpretiert dieses Ergebnis genau in die entgegengesetzte Richtung. Dass beispielsweise knapp 70 Prozent der Befragten nichts gegen Lebensmittelampeln oder Verzehrempfehlungen einzuwenden haben, wertet das Blatt als Wunsch des Bürgers nach mehr Bevormundung durch den Staat. Wie immer wird die Wahrheit in der Mitte liegen. "Der Einsatz von „Stupsern“ (wie Nudging manchmal auch übersetzt wird) in der Lebensmittelpolitik braucht eine gute Begründung, bei der Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen sind, damit aus "Stubsen" kein „Schubsen“ wird", erklärt Professor Justus Wesseler von der Universität Wageningen auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie. 


Denn: Bei Verboten und Verordnungen hört der Spaß auf. Sobald die Eingriffstiefe in die Verbraucherentscheidung durch den Staat wächst, etwa über eine Zuckersteuer, steigt auch die Wahrnehmung der Bevormundung auf bis zu 60 Prozent. So finden es mehr als ein Drittel der Befragten unangebracht, wenn der Staat versucht, mit (Warn-) Hinweisen auf Produkten zu einem bestimmten Verhalten zu lenken. Wer den Eindruck hat, in Ernährungsfragen nicht selber entscheiden zu können, fühlt sich neben dem Staat insbesondere auch von den Lebensmittelherstellern und Lebensmittelhändlern bevormundet. (kbo)


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