In Belgien sollen die Birnen nicht geerntet werden
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In Belgien sollen die Birnen nicht geerntet werden

Das flämische Landwirtschaftsministerium hat entschieden, dass auf insgesamt 2.000 ha Anbaufläche keine Birnen geerntet und in den Markt gebracht werden sollen. Es soll vermieden werden, dass der Birnenmarkt mit Ware überschwemmt wird und die Preise weiter in den Keller gehen. Wie es heißt, erhalten die Produzenten, die Mitglied einer Absatzvereinigung sind, 6.500 € Entschädigung je Hektar, der nicht abgeerntet wird.

Rabobank will helfen

Auch die niederländische Rabobank sieht die Notwendigkeit von Unterstützung. Laut ihren Analysen haben vor allem Polen und Norwegen im Jahr 2013 die meisten landwirtschaftlichen Produkte und Lebensmittel nach Russland exportiert, gefolgt von den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Spanien, der Ukraine, Deutschland und Dänemark.

Als größter Kreditgeber der Agrarbranche befürchtet die Bank in den Niederlanden eine Pleitewelle unter Obst- und Gemüsebauern. Es ist also auch im eigenen Interesse, wenn Paul Dirks, Direktor Unternehmen bei der Rabobank sagt: „Als eine kooperative Bank wollen wir vermeiden, dass Unternehmen, die im Kern gesund sind, durch diesen Handelsboykott in Schwierigkeiten kommen“.

Tschechien erwägt Einfuhrstopp

In Prag befürchtet man indes, dass der Markt mit billigem Obst etwa aus Polen überschwemmt werden könnte. Agrarminister Marian Jurecka sagte in Olmütz der Nachrichtenagentur CTK, man müssen zu der beispiellosen Maßnahme greifen und den Markt für bestimmte Waren schließen.

Kanada öffnet Grenzen

In Kanada hingegen sind polnische Äpfel willkommen. Dies erfuhr der Botschafter Marcin Bosacki im Gespräch mit der mit der kanadischen Lebensmittelkontrollbehörde CFIA. Das Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada könnte eine solche Kooperation befördern.

Weimarer Dreieck trifft sich in Bonn

Heute kamen die Agrarminister Polens und Frankreichs zu Gesprächen mit dem deutschen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, das sogenannte „Weimarer Dreieck“, über die Auswirkungen des Embargos nach Bonn. Konkrete Maßnahmen wurden nicht beschlossen. Schmidt sprach dennoch von "einem historischen Treffen" und "einem sichtbaren Schulterschluss" der drei großen EU-Länder Polen, Deutschland, Frankreich, „also von der Ostgrenze der EU bis zum Atlantik“. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk forderte er die Menschen auf Obst zu essen und zwar "fünfmal am Tag".

Mehrere franzöische Interessenverttreter hatten „außergewöhnliche Maßnahmen gefordert, um einen Ausgleich für die im Lebensmittelsektor tätigen Unternehmen zu finden. In einem offenen Brief an Staatspräsident Francois Hollande schätzten sie die Einbußen „mittelfristig auf mehrere hundert Millionen Euro.“

Am Freitag wird es in Brüssel einen Sonder-Agrarrat zu den Maßnahmen gegen das Embargo geben und eine Liste der betroffenen Produkte soll erstellt werden. (hed)
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