Glyphosat

Bewertungs-Methodik scheidet die Geister

Der Bewertungsbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und damit die wissenschaftliche Grundlage für die von der EU-Kommission vorgeschlagene Zulassungsverlängerung von Glyphosat für weitere zehn Jahre erfülle in wesentlichen Teilen die „Kriterien eines Textplagiats“. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Stefan Weber, der sich auf Plagiatsgutachten für wissenschaftliche Arbeiten spezialisiert hat. Den BfR-Bericht hat er im Auftrag von Harald Ebner, Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, in Auftrag gegeben. Am Donnerstag stellte Weber auf einer Pressekonferenz in Berlin einen Textvergleich aus drei ausgewählten Kapiteln des BfR-Berichts zu den gesundheitlichen Risiken von Glyphosat vor. „Über zahlreiche Seiten hinweg wurden Textpassagen praktisch wörtlich übernommen“, lautet das Ergebnis von Weber. Und er zieht daraus den Schluss: „Es ist offensichtlich, dass das BfR keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen hat.“

BfR verwehrt sich gegen Vorwürfe

Das BfR hat sich nach der Pressekonferenz in Berlin noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie sind allerdings in der Sache auch nicht neu. Mehrfach hat das Bundesinstitut betont, dass es Originalstudien der Antragsteller detailliert geprüft und bewertet habe. Zum Plagiatsvorwurf kommentierte das BfR vor wenigen Wochen, dass von der EU explizit vorgesehen sei, dass Antragsteller Studienzusammenfassungen vorzulegen haben. „Die im gesetzlichen Bewertungsverfahren eingereichten Dossiers sind Zusammenstellungen bereits vorliegender Studien und stellen deshalb selbst keine wissenschaftliche Originalarbeit dar“, konkretisierte BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel die Eigenschaften des Bewertungsberichtes.

Außerdem erklärte Hensel bereits vor wenigen Wochen, warum Texte in der BfR-Bewertung identisch mit Herstellerberichten sein können: „Wenn die Antragsteller Studien korrekt zitieren oder in entsprechenden Zusammenfassungen wissenschaftlich und methodisch korrekt interpretieren, hatten die europäischen Bewertungsbehörden in der Vergangenheit keinen Grund in den zahlreichen Zulassungs- und Genehmigungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln, Chemikalien und Arzneimitteln, derartige Aussagen umzuschreiben“, so der BfR-Präsident. (db)
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