Pressemeldungen und Bürgeranfragen im Zusammenhang mit der Risikobewertung von Glyphosat haben das BfR nach eigener Aussage dazu bewogen, in der Öffentlichkeit häufig vorgetragene Missverständnisse zu kommentieren. Die größte Verwirrung stammt daher, dass sich zwei Einrichtungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Glyphosat geäußert haben – scheinbar mit widersprüchlichen Aussagen. Der Widerspruch lässt sich jedoch auflösen, meint das BfR.

Die gesundheitliche Risikobewertung sei in der Wissenschaft derzeit unstrittig. Das für die Pestizidbewertung zuständige Gremium der WHO (JMPR) kommt wie das BfR, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und andere Behörden weltweit zu dem Schluss, dass nach derzeitigem Stand der Wissenschaft bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung kein krebserregendes Risiko durch Glyphosat zu erwarten ist.

IARC hat grundsätzlich andere Fragestellungen

Gefahr und Risiko
Zwei Behörden der WHO befassen sich mit gesundheitlichen Wirkungen von Chemikalien, aber auch von Produkten Alltags.
  • Die IARC führt eine gefahrenbezogene Klassifizierung durch. Als „krebserregend“ (Kategorie 1) eingestuft sind Alkohol oder Wurst, als „wahrscheinlich krebserregend“ (Kategorie 2a) Glyphosat oder rotes Fleisch.
  • Im nächsten Schritt folgt die Risikobewertung, in der Aufnahmemengen im täglichen Leben berücksichtigt werden. Für Wirkstoffe, die in Pflanzenschutzmitteln enthalten sind, ist das JMPR zuständig. (db)
Die ebenfalls zur WHO gehörende Internationale Krebsagentur (IARC) führt keine Risikobewertung durch, sondern nimmt eine Gefahrenanalyse vor, die keine Empfehlung für Regierungen und Behörden darstellen soll. Eine solche Klassifizierung berücksichtigt nicht die tatsächliche Aufnahmemenge des Stoffes. Damit sagt sie nichts aus über die Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden tatsächlich eintritt. Dagegen berücksichtigt die Risikobewertung die Menge eines Stoffes, die Menschen unter realistischen Bedingungen tatsächlich aufnehmen. Das heißt, die IARC prüft, ob ein Stoff grundsätzlich Krebs erzeugen könnte – unter welchen Bedingungen auch immer. Das BfR schätzt darüber hinaus ab, ob bei bestimmungsgemäßer Anwendung von dieser Substanz tatsächlich ein Risiko ausgeht.

Warum unveröffentlichte Studien?

Eine weitere Ursache für die unterschiedlichen Einschätzungen besteht nach Aussage des BfR darin, dass die IARC laut ihrer Satzung nur veröffentlichte Studien berücksichtigt. Damit fallen viele Studien weg, die zum Beispiel im Rahmen des EU-Genehmigungsverfahrens erstellt, aber nicht veröffentlicht wurden. Folglich konnte das BfR in seinen Bericht eine Vielzahl von neueren Studien einbeziehen, hat aber auch sämtliche Studien bewertet, auf die sich die IARC bezieht. Das BfR verwehrt sich in diesem Zusammenhang aber gegen die Unterstellung, dass es sich auf Industriestudien verlasse. „Das BfR ist gesetzlich verpflichtet, die Unterlagen der Antragssteller zu prüfen. Es verlässt sich darauf nicht, sondern führt eigene wissenschaftliche Recherchen durch“, betont das Bundesinstitut.

Tumore, Rückstände in Bier

Des Weiteren geht das BfR in seiner Stellungnahme auf Aussagen ein, die wiederholt in den Medien zitiert werden, wie dass es in Tierstudien signifikante Häufungen von Tumoren durch Glyphosat gegeben habe. Oder dass der Glyphosatgehalt von Urin weit über dem Grenzwert liege. Auch die Glyphosatfunde im Bier nimmt sich das BfR noch einmal vor. (db)
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