Kontroverse

BfR prüft Glyphosat-Einstufung


Das BfR nimmt Stellung zur Veröffentlichung der internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), die gestern begründet hat, warum sie Glyphosat in Gruppe 2A, also als „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“, einstuft. Das deutsche Institut wird jetzt nach eigener Aussage die vorgelegte Monografie hinsichtlich „neuer bislang nicht berücksichtigter Unterlagen, der Bewertungsergebnisse, der Qualität und Methodik“ prüfen. Das Ergebnis werde auch an die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) übermittelt, versichert das BfR.

Befunde sind dem BfR bekannt

Das BfR weist darüber hinaus darauf hin, dass die Befunde aus tierexperimentellen Studien mit dem Wirkstoff Glyphosat, die das IARC für die neue Einstufung heranzieht, bereits in dem überarbeiteten Bewertungsbericht im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung beurteilt worden seien. „Dieser Bericht lag im April 2014 auch bei der öffentlichen Konsultation vor, so dass diese Studien und Schlussfolgerungen auch der IARC zugänglich waren“, weist das BfR mögliche Vorwürfe der Intransparenz zurück.

Handelsübliche Produkte statt Reinwirkstoff verwendet

Außerdem stellt das deutsche Bundesinstitut die Aussagekraft vieler in der Monografie diskutierter Studien in Frage. Häufig sei in den Versuchen der Wirkstoff Glyphosat nicht isoliert, sondern in der Formulierung verwendet worden. Die in handelsüblichen Produkten enthaltenen Beistoffe könnten jedoch eine noch höhere Toxizität als der Wirkstoff aufweisen, argumentiert das BfR. Häufig sei aber die genaue Zusammensetzung nicht beschrieben.

Kontroverse gehört zum wissenschaftlichen Alltag

Und schließlich relativiert das Institut die aktuelle Kontroverse: „Dass verschiedene Gremien aufgrund unterschiedlicher Informationen und Einschätzungen experimenteller Daten Sachverhalte oder Methodennutzungen unterschiedlich bewerten, gehört zum Alltag in der wissenschaftlichen Risikobewertung.“ Das BfR selbst will sich erst nach abgeschlossener Prüfung detailliert äußern. (db)
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