EU-Ökoverordnung

Biobranche fordert Neustart

Drei Jahre lang verhandelten EU-Parlament, Ministerrat und Kommission über eine neue EU-Ökoverordnung. Nachdem der Berichterstatter des Parlamentes, Martin Häusling, die Trilog-Gespräche am Mittwoch für gescheitert erklärt hatte, zeigen sich die betroffenen Biolandwirte erleichtert.

Ökolandwirte durch Grenzwerte verunsichert

So begrüßten Bioland, Demeter und Naturland in einer gemeinsamen Erklärung den Stopp der Verhandlungen. Sie werfen der Kommission und der slowakischen Präsidentschaft vor, Ökolandwirte mit „unsinnigen Schwerpunkten wie Grenzwerten und Fristen“ verunsichert zu haben. Unterstützung bekommen die Verbände aus der grünen Bundestagsfraktion. Da die EU-Kommission auf eigenen „Pestizid-Grenzwerten“ für Bio-Produkte beharre, sei eine Zustimmung zur Öko-Verordnung nicht möglich, betonen die Abgeordneten Friedrich Ostendorff und Harald Ebner.

Koexistenz mit konventioneller Landwirtschaft gefährdet

Die verfahrenen Verhandlungen brauchen nach Überzeugung der deutschen Bio-Verbände einen kompletten Neustart. Ähnlich argumentiert der Öko-Beauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, der die endgültige Rücknahme der Revision der EU-Ökoverordnung fordert. Es sei nicht gelungen, einen Kompromiss zu finden, der die Ökolandbaupraxis verbessert. Die Pläne zu Sondergrenzwerten für Bioprodukte hätten die Koexistenz zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft in Frage gestellt, denn sie würden den Ökolandbau in weiten Teilen Europas unmöglich machen, befürchtet von Bassewitz. Eine rückstandsfreie Erzeugung sei in Europa in weiten Teilen unmöglich und würde das Ende des Ökolandbaus bedeuten.

EU-Agrarrat soll Projekt der Totalrevision beerdigen

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sieht der Ball nun bei Agrarminister Schmidt und seinen Ministerkollegen im EU-Agrarrat, der am kommenden Montag tagt. Dort müsse das Projekt der Totalrevision endgültig beerdigt werden, fordert der BÖLW. Dem schließt sich der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer an. Nach dem Scheitern der Reform sollten notwendige Anpassungen und Klarstellungen in die bestehende Verordnung integriert werden, schlägt der Grüne vor. Der Angriff der EU-Kommission auf die bewährte und erfolgreiche EU-Ökoverordnung müsse nach dem gestrigen Scheitern endlich beendet werden, fordert Meyer. (SB)
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