Palmöl in Biodiesel

Biodieselverband kritisiert NABU


Neue Untersuchungen des NABU in Zusammenarbeit mit der Brüsseler Umweltorganisation Transport & Environment, zeigen, dass zuletzt rund 45 Prozent der gesamten europäischen Palmölimporte in den Tanks von Autos und Lkw landeten. Vor sechs Jahren waren es laut der Studie gerade mal acht Prozent. Währenddessen sei der Anteil, der für Nahrungsmittel, Tierfutter und Industrieprodukte verwendet wurde, jeweils gesunken. „Diese Zahlen zeigen die schmutzige Realität der europäischen Biokraftstoffpolitik. Täglich werde die Menge von umgerechnet vier olympischen Schwimmbecken mit jeweils 2,5 Millionen Litern voller Palmöl dem Diesel beigemischt. Das hat fatale Folgen für Klima- und Ökosysteme, denn die Expansion des Ölpalmen-Anbaus treibt die Abholzung von Wäldern und die Moorzerstörung in Südostasien und Afrika massiv voran“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Das steckt drin
Die deutschen Produzenten haben im vergangenen Jahr Biodiesel zu knapp 70 Prozent aus Raps aus deutscher und europäischer Produktion hergestellt. Altspeisefette wie genutztes Frittierfett hatten einen Anteil von rund 22 Prozent. Vier Prozent des Biodiesels in Deutschland wurde aus Palmöl hergestellt, so die Zahlen des VDB.
Konkret geht es dabei um das Problem der sogenannten Landnutzungsänderung: Palmöl muss, damit es zum Beispiel in Deutschland Kraftstoffen beigemischt werden darf, ausschließlich von bereits landwirtschaftlich genutzten Flächen stammen. Somit soll verhindert werden, dass für den Anbau etwa Regenwälder gerodet werden.

VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann wies heute ebenfalls darauf hin, dass zur Herstellung von Biodiesel anders als in der Nahrungsmittel- oder der chemischen Industrie ausschließlich zertifiziertes Palmöl eingesetzt werden dürfe, das strengen gesetzlichen Nachhaltigkeitsanforderungen unterliege. Diese weltweit wirksamen Nachhaltigkeitsregeln seien zudem erst durch die europäische Biokraftstoffpolitik möglich gemacht worden. „Der NABU lässt die Wahrheit ungesagt: Für das als Biokraftstoff genutzte Palmöl darf gar nicht gerodet werden, für Frittierfett und Shampoo dagegen schon“, so Baumann. Wer dann noch sachwidrig behaupte, Biokraftstoffe seien schädlicher als fossile, der habe die Tatsachen auf den Kopf gestellt.

Der NABU sieht das anders: Zur Erfüllung der europäischen Biokraftstoffquote kaufe sich die Mineralölindustrie auf dem Weltmarkt den Rohstoff dort zu, wo er am günstigsten sei. Palmöl wachse jedoch nur in tropischen Regionen, was dort zu erheblichen Landnutzungsänderungen führe. Der implizite Vorwurf: Da die vorhandenen Flächen für den vorschriftsmäßigen Anbau von Palmöl für Biodiesel weitestgehend ausgelastet sind, weichen die Plantagenbetreiber für den Anbau von Palmöl für andere Zwecke - zum Beispiel für Tierfutter oder Kosmetikprodukte - auf neue Flächen aus. (mrs)
stats