Spekulantenschelte

Bode und Fitschen diskutieren im Bundestag


Die politische Diskussion um Verwerfungen durch das Engagement so genannter Spekulanten an Warenterminmärkten nimmt an Fahrt auf. Entwicklungspolitiker aller Fraktionen drängen auf eine Beschränkung von Spekulationsgeschäften mit Nahrungsmitteln.

Dies wurde am heutigen Mittwoch deutlich im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei einem Gespräch mit dem Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und dem Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, Thilo Bode.

Die teilweise kontroverse Diskussion drehte sich um die Frage, ob zwischen Finanzgeschäften mit Agrarrohstoffen und kurzfristigen, starken Preisschwankungen auf den Märkten für Grundnahrungsmittel wie Weizen ein kausaler Zusammenhang besteht. Fitschen bekräftigte seine Position, dass die Deutsche Bank nach eingehender Prüfung zu dem Schluss komme, dass es kaum haltbare Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt gebe.

Spekulation sichert Effizienz der Märkte

Foodwatch-Chef Bode seinerseits nutzte die Debatte, um seinen Standpunkt zu wiederholen: Finanzwetten beeinflussen die realen Preise für Nahrungsmittel. Bis zum Beweis des Gegenteils, fordert Bode, müsse die Deutsche Bank aus dem Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen aussteigen.

Hunger und Mangelernährung, kontert Fitschen, hätten ihre Ursachen nicht in Finanzwetten, sondern unter anderem darin, dass Kleinbauern in Entwicklungsländern der Zugang zu Krediten fehle und der Import subventionierter Lebensmittel aus Industriestaaten ihnen die Lebensgrundlage entziehen würde. Der Deutsche-Bank-Chef betonte zudem, dass Spekulationen ein wichtiges Instrument für effiziente Märkte seien, etwa in der Absicherung von Ernterisiken durch Termingeschäfte.

Deutsche Bank soll ein Zeichen setzen

Eine Vertreterin der FDP-Fraktion sagte, unabhängig von der umstrittenen Frage der Kausalität könne die Deutsche Bank ein Zeichen setzen, indem sie sich aus dem Geschäft mit hochspekulativen Anlageprodukten auf Grundnahrungsmittel zurückziehe. Auch ein Vertreter der Unionsfraktion sprach von einer „ethischen Verpflichtung“ des größten deutschen Finanzinstituts: Das Problem der Spekulationen sei, dass Investoren eben nicht bei Erfolgsernten kaufen würden und damit die Preise stabilisierten, sondern bei Missernten investieren – und damit die Preise zusätzlich in die Höhe treiben würden.

Die SPD-Fraktion betonte, dass selbst ein Teil der Studien der Deutschen Bank zum Thema zu dem Schluss gekommen seien, dass ein Zusammenhang zwischen Finanzanlagen und starken Preisschwankungen bestehe. Solange dieser nicht ausgeschlossen werden könne, müsse sich das Geldinstitut aus diesem Geschäft herausziehen. (pio)
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