Offensive

BÖLW will schneller zum Zweinutzungshuhn


„Zweinutzungsrassen, also Rassen, bei denen die weiblichen Tiere eine gute Legeleistung erzielen und sich die männlichen für die Hähnchenmast eignen, müssen weiter züchterisch verbessert werden", fordert der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein. Die frühe Geschlechtserkennung im Hühnerei, die bald praxisreif sein soll, sei zwar ein Innovationspfad, den die Geflügelwirtschaft beschreiten muss. Neben der Ei-Diagnostik müssten aber auch weitere Alternativen, um das Töten männlicher „Eintagsküken“ zu beenden, weiterentwickelt werden.

Fördergelder aufstocken

Um Züchtungsfortschritte zu machen, müssten die Mittel zur Tierzucht-Forschung im Bundesprogramm Ökolandbau erheblich aufgestockt werden. Das gelte auch für die Konsequenzen aus dem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik. Ein Umbau der Tierhaltung könne nicht ohne die Züchtung robuster Rassen gelingen. Wenn Minister Schmidt echte Verbesserungen anstoßen will, müsse er für ausreichende Forschungsmittel sorgen. Die Zeit dafür sei günstig, denn jetzt werden für den Haushalt 2016 die Weichen gestellt, so Löwenstein abschließend.

Damit reagiert Löwenstein kritisch auf den von Bundesagrarminister Christian Schmidt zu Beginn der Woche angekündigten Plan, der das Töten männlicher Küken beenden soll. Dieser sieht vor, die Praxis bis zum Jahr 2017 zu beenden. Dann soll ein Gerät marktreif sein, das das Geschlecht bereits im drei Tage alten Hühnerembryo erkennt. Danach können die Eier nach ihrem Geschlecht sortiert werden, nur weibliche Tiere würden weiter bebrütet, um anschließend zu schlüpfen. Bisher werden die männlichen Tiere nach dem Schlüpfen vergast oder landen im Schredder. Da sie wenig Fleisch ansetzen, sind sie für die Mast nicht tauglich.

Im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (Böln) wurde ein Forschungsprojekt „Entwicklung von Konzepten und Programmen für eine nachhaltige Tierzucht sowie für Vermarktungsstrategien für besonders tiergerecht produzierte Erzeugnisse“ ausgeschrieben. Nach Angaben des BÖLW wurden erheblich mehr Skizzen eingereicht, als daraus bezahlt werden konnten. (has)
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