970 Mio. t fruchtbarer Boden gehen der EU jedes Jahr durch Erosion verloren. Weltweit sind es jährlich 0,3 bis 0,5 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche, die durch Bodendegradation verschwinden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Down to earth - Der Boden, von dem wir leben: Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft“, die der grüne Europapolitiker Martin Häusling beauftragt und jetzt vorgestellt hat.

Verfasst hat das Papier die Agrarwissenschaftlerin Dr. Andrea Beste und hat dazu Forschungsprojekte zum Zustand der Böden in Europa ausgewertet. Intensive Formen der Landbewirtschaftung sind weltweit auf dem Vormarsch, mit der Folge, dass immer mehr Böden einen regelrechten „Burn-out“ ihrer Fruchtbarkeit erleiden, so lautet ein Fazit.

Besonders in Deutschland würden die Böden unter einerm hohen Nutzungsdruck stehen. Daran beteiligt sei auch die aus der Nutzung von Biomasse für energetische Zwecke entstehende Flächenkonkurrenz. Durch steigende Pachtpreise seien die Landwirte jedoch gezwungen, ein Maxiumum aus den ihnen zur Verfügung stehenden Flächen zu erzielen. Auch dies wirke negative auf den Zustrand der Böden, können jedoch den Landwirten kaum vorgeworfen werden, so Häusling.

„Es ist eine naive bis scheinheilige Darstellung, dass die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung nur mit einer noch intensiveren Landwirtschaft erreicht werden kann. Das Gegenteil ist der Fall. Sinkt die Bodenfruchtbarkeit, sinken auch die Erträge. Bluten wir unsere Böden weiter aus, riskieren wir den Verlust unserer wichtigsten Lebensgrundlage“, kommentiert Auftraggeber Häusling weiter.

Pfluglose Bodenbearbeitung keine Lösung

An die Politik in Deutschland und auf EU-Ebene appelliert die Studienverfasserin, dem Boden als  Lebensgrundlage besseren Schutz zu gewähren, etwa durch die Umsetzung der von EU-Bodenschutzrichtlinie, eine deutlich ressourcenschonendere Agrarpolitik sowie die Förderung von agrarökologischen Ausbildungs- und Beratungsprogrammen.

Die pfluglose Bodenbearbeitung, die Deutschland, Frankreich oder Spanien als Ansatz zum Bodenschutz präsentieren, ist laut Häusling zu diesem Zwecke nicht zielführend: Die pfluglose Bodenbearbeitung „ist entgegen häufiger Behauptungen weder klima- noch bodenschonend. Am schlimmsten ist aber, dass hier angeblicher Bodenschutz mit einem massiv erhöhten Einsatz von Totalherbiziden – allen voran Glyphosat – erkauft wird“, moniert Häusling. (pio/jst)
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