Der Frage, ob neue Informationen schneller am deutschen Kassamarkt oder an der Matif eingepreist werden, sind Wissenschaftler des Braunschweiger Thünen-Instituts und der Universität Münster in der Studie "Der Bedeutung von Agrarterminmärkten als Absicherungsinstrument für die deutsche Landwirtschaft" nachgegangen. Untersucht wurden dazu die Preisentwicklungen von Weizen, Mais und Raps am deutschen Kassamarkt sowie an den Futures-Märkten von 1999 bis Ende 2012. Auch Preisdaten der agrarzeitung (az) haben die Forscher für ihre Studie genutzt. Das Ergebnis: Zuerst setzt die Börse neue Informationen in ihren Kursen um, dann folgt der Kassamarkt mit zeitlicher Verzögerung.

Forscher fordern mehr Transparenz

Angesichts der großen Bedeutung der Futuresmärkte auf die Preisbildung im physischen Geschäft sprechen sich die Forscher für mehr Transparenz an den Terminmärkten aus. Dies könne durch verpflichtende Berichte über börsliche und außerbörsliche Termingeschäfte erreicht werden. Diese sollten Marktteilnehmer nach Kategorien aufschlüsseln – vom kommerziellen, agrarwirtschaftlichen Akteur bis hin zum Spekulanten. In die entsprechende Richtung zielen auch die EU-Finanzmarktrichtlinien EMIR und MiFID, die sich derzeit in der Umsetzung befinden. Das Bundesagrarministerium, in dessen Auftrag die Studie erstellt wurde, sieht sich durch die Empfehlungen der Wissenschaftler in seinem Kurs bestärkt, sich weiter für eine „angemessene Regulierung“ der Agrarmärkte einzusetzen.

Nur kleiner Teil der Landwirte an der Börse

In der Studie haben die Forscher zudem deutsche Landwirte sowie Erfassungs- und Verarbeitungsbetriebe nach ihrem Vermarktungsverhalten befragt. Das augenfälligste Ergebnis: Während der überwiegende Anteil der Händler und Verarbeiter Warenterminbörsen zur Preisabsicherung nutzt, trifft dies nur für einen sehr kleinen Teil der Landwirte zu. Das ist insofern interessant, als sich Erzeuger von Großbetrieben mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von mehr als 600 ha an der qualitativen Umfrage beteiligt haben. Als oberstes Vermarktungsziel gaben Erzeuger die Gewinnmaximierung an; die Vorfinanzierung von Betriebsmitteln spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Handelsmeinung zählt

Bei dem Vermarktungszeitpunkt richten sich die Erzeuger der Befragung zufolge in erster Linie nach der Empfehlung ihrer Berater aus dem Landhandel oder der Genossenschaften. Zweitwichtigste Informationsquelle sind agrarwirtschaftliche Fachpublikationen. Bei der Vermarktung greifen die befragten Erzeuger in erster Linie auf Liefer- und Vorkontrakte zurück - an die Matif gekoppelte Prämienkontrakte spielen eine kleinere Rolle. (pio)
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