Biogas Innovationskongress

Branche beklagt Stillstand beim Neubau


Viele Biogasanlagenbetreiber in Deutschland blicken mit Sorge in die Zukunft. Vor allem für jene Anlagen, deren 20-jährige EEG-Förderung in den kommenden Jahren ausläuft, stellen sich viele Fragen. Weil es bisher keine gesetzlichen Regelungen gebe, müssten diese Anlagen dann ihren Strom auf dem freien Markt anbieten, erklärte Dr. Jan Liebetrau vom Deutschen Biomassezentrum beim Biogas Innovationskongress in Osnabrück.

Bei den derzeitigen Preisen an der Strombörse könne keine Biogasanlage kostendeckend Strom produzieren, betonte Liebetrau. Diese düsteren Aussichten würden schon heute den Betrieb der Anlagen beeinflussen. Notwendige Ersatzinvestitionen in Blockheizkraftwerke, Pumpen oder Rührwerke würden sich bei kurzen EEG-Restzeiten immer weniger rentieren. Auf notwendige Investitionen werde verzichtet. „Die Anlagen werde auf Verschleiß gefahren“, so Liebetrau. Sollte es keine politische Anschlussregelung geben, könnten viele Anlagen schon vor Ablauf der 20-Jahres-Frist stillgelegt werden.

Effizienz weiter steigern

Die Anlagenbetreiber seien aber auch gefordert, die Produktionskosten für Biogas weiter zu senken. Mehreinahmen könnten durch die bedarfsgerechte Stromeinspeisung erzielt werden. Trotz dieser Maßnahmen sei eine Produktion zu den Preisen, die an der Strombörse zu erzielen sind, nicht möglich. Hauptgrund dafür seien die hohen Fixkosten für die Substratbeschaffung.

Stillstand beim Neubau

Mit der Novelle des EEG im vergangenen Jahr sei der Neubau von Anlagen praktisch zum Erliegen gekommen. Die politisch gewünschte Obergrenze eines jährlichen Zubaus von 100 Megawatt werde deutlich unterschritten. Im ersten Quartal seien Neuanlagen mit einer Gesamtleistung von nur 4 MW ans Netz gegangen. Dabei handle es sich vor allem um kleine Gülle-Anlagen mit einer Leistung von maximal 75 kW, die nach wie vor mit hohen Vergütungssätzen gefördert werden. Der Fachverband Biogas schätzt, dass in diesem Jahr 100 bis 200 kleine Anlagen errichtet werden könnten, vor allem von großen Milchviehbetrieben. (SB)
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