Brexit-Reaktionen

Branche fürchtet hohe Kosten


Der Brexit hat Politik und Wirtschaft unvorbereitet getroffen. Am Tag nach dem Referendum betonen Vertreter der Agrar- und Ernährungsbranche, dass der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der europäischen Union nicht nur für die Briten große Unsicherheiten mit sich bringt. Denn das Vereinigte Königreich ist der drittwichtigste Handelspartner für Deutschland in der EU. Die Exporte der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft nach Großbritannien beliefen sich 2015 auf ca. 4,8 Mrd. €, das entspricht einem Anteil von knapp 6 Prozent am gesamtdeutschen Export.
-- , Foto: euprio

Absatzchancen bleiben erhalten

Aktuell importiert Großbritannien 60 Prozent seiner Lebensmittel. Sicher sind sich die Betroffenen Unternehmen, dass auch bei einem Austritt aus der EU gute Absatzchancen bestehen. Genauso klar ist aber auch, dass der Handel mit einem Drittstaat Großbritannien bürokratischer und damit teurer wird. Hinzu kommt, dass derzeit nicht klar ist, welchen rechtlichen Status in britischen Tochterunternehmen Beschäftigte Deutsche in Zukunft haben werden.

Harte Verhandlungen erwartet

Am Tag nach dem Referendum überwiegen Enttäuschung und Trauer über das Ergebnis. Der Brexit sei ein großer Verlust für Europa, erklärte Stephan Becker-Sonnenschein vom Verein Die Lebensmittelwirtschaft. Die Unternehmen der Lebensmittelbranche müssten sich auf starke Veränderungen einstellen. Björn Börgermann vom Milchindustrieverband (MIV) rechnet mit harten Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) werde die Gespräche zwischen Brüssel und London sehr genau beobachten und begleiten, kündigte ein Sprecher des DRV an.

Landwirtschaft profitierte vom Binnenmarkt

Bisher seien die Landwirte mit dem EU-Binnenmarkt gut gefahren, meint der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Bernhard Krüsken. Als wichtiger Absatzmarkt für Milchprodukte und Fleischwaren werde das Vereinigte Königreich auch nach einem EU-Austritt erhalten bleiben, die Kosten für die Exporte könnten aber steigen, befürchtet Krüsken. (SB)
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