Premiere Öko-Feldtage

Branche im Höhenflug

--
Ideengeber sein für die gesamte Landwirtschaft: Dieser Geist soll von den bundesweiten Öko-Feldtagen ausstrahlen. Die Premiere gestern und heute auf der hessischen Staatsdomäne Frankenhausen zeigt manche Parallele zwischen konventionellem und Bio-Markt.

Mehr als 280 Aussteller haben für die Premiere auf den Feldern in Grebenstein nahe Kassel einen Stand gebucht, um den Landwirten ihre Lösungen zu präsentieren. Dazu gehören blattgesunde und schnellwüchsige Sorten, um den Unkrauts- und Krankheitsdruck im Feld klein zu halten, GPS-Systeme, die Schlepper und Ackergerät unabhängig voneinander steuern, um noch näher an der Pflanze arbeiten zu können. Oder auch der ziemlich geschlossene Nährstoffkreislauf im Kuhstall, der Milchleistungen bis 6200 kg pro Jahr vorzuweisen hat, obwohl auf die externe Zufuhr von Kraftfutter verzichtet wird.

„Wir wollen modernste Technik und traditionelles Wissen miteinander kombinieren“, erklärt Dr. Felix Prinz zu Löwenstein vom Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Schirmherr der Bio-Schau. Die hessische Agrarministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen), die für die Ökofeldtage mehr als 200.000 € aus dem Landeshaushalt beisteuert, sagt: „Das hätte es schon längst geben müssen.“



Insbesondere die Bodenbearbeitung nimmt in der alternativen Landwirtschaft einen breiten Raum ein. Diese Lösungen gewinnen im Hinblick auf die Diskussionen um die Streichung wichtiger Pflanzenschutzmittel, zunehmender Resistenzen und die Einschränkung der Düngung für die konventionelle Landwirtschaft an Bedeutung.

Biobauern erzielen in der Vermarktung ihrer Produkte höhere Preise. Da denkt so mancher derzeit über eine Umstellung nach. Experten wie beispielsweise der Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt, Dr. Ralf Peter Weber, meinen, dass noch viel stärker in die Ausbildung und in die Beratung investiert werden müsste. Denn auch wenn die Bio-Landwirtschaft vom Konzept her die umweltschonendste Variante ist, können Bio-Bauern durchaus auch die Natur belasten.

Obwohl die Branche ihr eigenes Wachstum begrüßt, sind damit zunehmende Konflikte verbunden. Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzeichneten 2016 ein Umsatzplus von rund 10 Prozent. Die Folgen lassen sich aktuell deutlich am Milchmarkt beobachten. Denn dort werden die Strukturen immer größer. Im Schnitt sind Bio-Betriebe heute schon größer als konventionelle Höfe. Dass der Bio-Großhändler Dennree jetzt den Betrieb Agrofarm Eichigt in Sachsen mit knapp 1500 Milchkühen betreibt, geht manchem Biobauern ordentlich gegen den Strich. Noch mehr Sorgen bereitet den Milchbauern die enorme Umstellungswelle von der konventionellen auf die ökologische Milcherzeugung. Spätestens in zwei Jahren werden die Umstellerbetriebe ihre Milch als Biomilch vermarkten dürfen. Manche sehen jetzt schon die gleiche Pleitewelle heranrollen wie vor kurzem im konventionellen Sektor. (kbo)
stats