Milchkrise

Branchenorganisation steht auf der Kippe

Wolfgang Vogel (links) und Thomas Schmidt (mitte) mit Erntekönigin und Vertreter von Agrofert 2000 in Eichigt.
-- , Foto: da
Wolfgang Vogel (links) und Thomas Schmidt (mitte) mit Erntekönigin und Vertreter von Agrofert 2000 in Eichigt.

Die gute Nachricht zuerst. Der Milchpreis steigt. Der Kieler Rohstoffwert als Leitwert ist von 19,8 Cent/Liter im März auf aktuell 27,5 Cent/Liter gestiegen. In Sachsen beträgt der durchschnittliche Milchpreis derzeit 24,50 Cent/Liter, in Bayern steuern die Molkereien auf 28 Cent/Liter zu.

Dennoch ist die Milchkrise längst noch nicht vorbei, beteuern heute der sächsische Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) und Bauernpräsident Wolfgang Vogel vor der Presse im Vogtland. Beide appellierten gemeinsam an die Teilnehmer, die morgen ins BMEL in Berlin kommen, sich endlich in einer Branchenorganisation zusammenzuschließen. 

Bessere Verhandlungsposition
Damit die Milchbauern in den Preisverhandlungen einen besseren Stand haben, können sie sich zu Erzeugergemeinschaften zusammenschließen. Hierfür steht ein EU Fonds in Höhe von 200 Mio. € zur Verfügung. Deutschland hat bisher nur 10 Mio. € abgerufen, um Initiativen zu unterstützen, die rechtliche und fachliche Beratung für einen Zusammenschluss benötigen. Derzeit sind in Sachsen fünf Erzeugergemeinschaften im Gespräch, die sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen wollen. Der sächsische Agrarminister Schmidt kündigte für diesen Schritt finanzielle Unterstützung an.

Einige Molkereien wollen nicht mitspielen


Allerdings sieht es danach nach Informationen von agrarzeitung.de nicht aus. Einige genossenschaftlichen Molkereien sind nicht bereit, an ihren Liefervereinbarungen etwas zu verändern. Der Milchindustrieverband hat dem in Gesprächen eine klare Absage erteilt. Etwas entgegenkommender zeigt sich der Deutsche Raiffeisenverband DRV. Die Notwendigkeit einer Veränderung sei vorhanden, doch gibt es dazu noch keine Mehrheit im DRV. Aus Sicht der Molkereien sei das jetzige System ideal. Vom Milchpreis ziehen die Verarbeiter eine Marge ab, was übrig bleibt erhält der Landwirt. Der Druck auf die Preise werde immer an die Landwirte nach unten weitergegeben. Diese Schieflage wollen die Erzeuger ändern und künftig mehr an steigenden Milchpreisen partizipieren. Diese Forderung soll in neuen flexibleren Lieferverträgen dokumentiert werden.

Vogel fordert ein Umdenken


Hierfür gibt es auch von Seiten der Politik und der Bauernverbände Unterstützung. Vogel fordert ein Umdenken im Berufsstand. "Wer von uns Bauern eine Leistung haben will, muss sie auch bezahlen. Die Branchenorganisation steht auf der Kippe", sagte Vogel. So könne es nicht mehr weitergehen. Vogel sieht die Gefahr, dass sich auch in dieser Krise nichts ändern werde. Das wolle er auf jeden Fall verhindern. Denn ein Preisverfall bei der Milch könne immer wieder eintreten. Deshalb ruft er jetzt alle Branchenteilnehmer dazu auf, die Liefervereinbarungen zu ändern. (da)
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