Pflanzenschutz

Brisante Liste für Wirkstoffe

Eine Pflanzenschutzmittel könnten bald nicht mehr ausgebracht werden.
-- , Foto: Amazone
Eine Pflanzenschutzmittel könnten bald nicht mehr ausgebracht werden.

Der Titel klingt harmlos, aber die Wirkung ist weitreichend. Bereits 2009 wurde das „Prinzip der vergleichenden Bewertung von Pflanzenschutzmitteln" mit einer neuen EU-Verordnung eingeführt. Doch erst jetzt nimmt die Umsetzung Gestalt an. Die EU-Kommission hat in dieser Woche mit einer Durchführungsverordnung eine Liste von Substitutionskandidaten veröffentlicht.

Schleichender Prozess
Eine Liste mit 77 Wirkstoffen, die in der EU im Pflanzenschutz zugelassen sind, ist im Umlauf. Sie sind als Substitutionskandidaten klassifiziert. Damit läuft ein Count Down für ihre Registrierung. Sobald sie zur Neubewertung anstehen, wird geprüft, ob bessere Alternativen vorhanden sind. Die Auswirkungen sind nicht sofort spürbar, denn Mittel, die solche Wirkstoffe enthalten, dürfen zunächst unverändert zum Einsatz kommen. In den kommenden Jahren könnten viele jedoch allmählich vom Markt verschwinden. (db)
Die Liste enthält Wirkstoffe, die zwar alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen, aber bestimmte ungünstigere Stoffeigenschaften in Hinsicht auf die Gesundheit und die Umwelt aufweisen. Sie werden künftig als „zu ersetzende Wirkstoffe“ deklariert. Die Konsequenzen beschreibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): „Pflanzenschutzmittel mit solchen Substitutionskandidaten dürfen nur zur Anwendung zugelassen werden, wenn es keine wirtschaftlichen und praktikablen Alternativen gibt, die deutlich sicherer für Mensch und Umwelt sind."

Im Umkehrschluss heißt das, dass solche Wirkstoffe die Zulassung verlieren, sobald neue und als sicherer eingestufte Substanzen am Markt vorhanden sind, die eine vergleichbare Wirkung aufweisen. Das BVL betont allerdings, dass der ältere Wirkstoff nicht ohne Abwägung verboten wird. „Die Einführung der vergleichenden Bewertung darf keine Bekämpfungslücken schaffen und ein praktikables Resistenzmanagement nicht gefährden", versichert das Bundesamt.

Diese Regeln gelten für alle Zulassungsanträge, die ab dem 1. August 2015 gestellt werden. Die erste Liste mit 77 Wirkstoffen hat nach Angaben des BVL allerdings vorläufigen Charakter. In den anstehenden Routinebewertungen würde die Einstufung als Substitutionskandidat noch einmal überprüft, kommentiert das BVL die Liste. Deswegen könnten künftig weitere Wirkstoffe auf die Liste geraten, aber auch vorhandene wieder entfallen. (db)
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