Dabei kippen sich die Landwirte von der Insel schon mal eine Traktorschaufel voll Milch über, filmen die Aktion und verbreiten sie etwa über Youtube. Andere Leidtragende werden dann nominiert, es ihnen gleichzutun. Spenden gehen an die christlich orientierte Wohltätigkeitsorganisation für britische Landwirte namens Farm Community Network.




Diese Methode hat schon einmal gewirkt: Im Sommer 2014 ging die "Ice Bucket Challenge for ALS" um die Welt. Mit Videos über Menschen, die sich kübelweise eiskaltes Wasser überschütteten, wollte eine Selbsthilfeorganisation auf die tödlich verlaufende Erkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen. Dabei stellten die Teilnehmer ein Video von ihrer Eiswasserdusche ins Netz und nominierten andere Personen, die es ihnen entweder nachmachen oder Geld zu spenden sollten. Für die Aktion ließen sich sogar Prominente von Bill Gates bis Helene Fischer begeistern. Bei der amerikanischen ALS Association kamen so 92 Mio. € an Spendengeldern zusammen.

Die Lage ist prekär

Für die Milchbauern geht es zwar nicht um Leben und Tod, aber viele fürchten um ihren wirtschaftliche Existenz. Nach der Abschaffung der Milchquote im Frühjahr ist der Preis auf ein Niveau von unter 28 Cent/Liter oder 30 Pence/Liter gefallen. Damit können die meisten Betriebe nicht einmal mehr ihre Kosten decken.

Zwar hat es solch niedrige Preise bereits vor sechs und drei Jahren gegeben. Nun aber ist die Situation prekär: Etliche Betriebe haben mit Blick auf den Wegfall der Milchquote, die ihre Produktionsmenge bislang begrenzte, in größere Ställe mit mehr Kühen investiert. Sie wollten ihre Höfe fit für die nächste Generation machen und die Fixkosten auf eine größere Milchmenge verteilen. Verbände und Molkereien hatten den Landwirten höhere Chancen auf Exporte in Aussicht gestellt, weil die Weltbevölkerung steigt und Länder wie Russland sowie China gute Abnehmer seien. Da China allerdings weniger schnell als erwartet wächst und Russland Importe aus der EU boykottiert, bleiben die Betriebe auf ihrer Milch sitzen, was den Preis drückt.

Sauer auf die Nachbarn vom Festland

Sauer sind die Briten allerdings auch auf ihre Nachbarn in der EU selbst, weil die Molkereien günstige Milch von dem europäischen Festland importieren. Jüngst gab die britische Landwirtschaftsministerin Elizabeth Truss laut dem Guardian nach einem Treffen mit britischen Bauernvertretern zu Protokoll, dass weniger als die Hälfte der in Großbritannien verzehrten Butter und des Käses mit britischer Milch produziert werde. Supermarktbetreiber von der britischen Walmart-Tochter Asda über Morrisons bis hin zu Aldi und Lidl haben inzwischen den Milchpreis in Großbritannien erhöht. Er liegt aber dennoch unter den geschätzten Produktionskosten von 30 Pence/Liter. (sp)


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