Brexit-Folgen

Britische Landwirte verhalten optimistisch

Im Frühjahr 2017 sollen die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU beginnen. Deren Ausgang ist ungewiss, die Unsicherheit über die Auswirkungen auf die Wirtschaft groß. Doch die Landwirte Großbritanniens sind verhalten zuversichtlich, vom Brexit profitieren zu können. Dies zeigen die Ergebnisse des DLG-Trendmonitors Europe vom Herbst 2016.

Zugang zum Binnemarkt ungewiss

London plant den „harten“ Brexit: Den Austritt aus der EU inklusive des Binnenmarktes. Das heißt für beide Seiten, dass die Spielregeln des Waren- und Kapitalaustausches neu verhandelt werden müssen. In einem Umfeld aus Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung und der Hoffnung auf Wettbewerbsvorteile beurteilen die Landwirte die Wirkungen des Brexit auf den eigenen Betrieb unterschiedlich, so die DLG. 20 Prozent der im Rahmen des DLG-Trendmonitors Europe befragten 350 britischen Landwirte erwarten positive Auswirkungen, während 22 Prozent von negativen Auswirkungen ausgehen. Bezüglich des künftigen Zuganges der britischen Landwirte zum EU-Markt sind 16 Prozent der Meinung, den Zugang zum EU-Markt zu verlieren.

Direktzahlungen könnten sinken

Insgesamt bleiben die Wirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung derzeit kaum abschätzbar, stellt die DLG fest. Offen ist die Zukunft der Direktzahlungen für Landwirte in Großbritannien. Zu erwarten sind sinkende Zahlungen und die Konzentration staatlicher Zahlungen auf Agrarregionen mit Standortnachteilen, deren Landschaftsbild etwa aus Gründen des Tourismus erhalten werden soll. Betriebe in benachteiligten Regionen hoffen demnach auf stabile Zahlungen, während sich andere Betriebe auf weniger Direktzahlungen einstellen müssen. Unklar sind auch die Wirkungen des Brexit auf den Agrarhandel zwischen der EU und Großbritannien. Und dies vor dem Hintergrund, dass rund 40 Prozent der in Großbritannien konsumierten Lebensmittel importiert werden, zu einem großen Teil aus der EU.

Hoffen auf weniger Bürokratie

Die Landwirte Großbritanniens verbinden jedoch nicht nur Nachteile mit dem Brexit, stellt die DLG fest. Die Betriebsleiter erwarten weniger Vorgaben aus der Politik und mehr Entscheidungsfreiheit. Der Wertverlust des Pfunds gegenüber dem Euro führt dazu, dass Agrarexporte aus Großbritannien deutlich wettbewerbsfähiger sind als vor dem Brexit-Votum. Und auch gegenüber Importen haben die Erzeugnisse aus Großbritannien wechselkursbedingt an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Dies führt bei den Landwirten zu der Hoffnung, künftig Marktanteile am britischen Markt für Agrarprodukte zurückzugewinnen. (SB)
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