Vertreter des Bündnisses bei der Präsentation des Konzernatlas in Berlin.
-- , Fotos: agrarzeitung/jst
Vertreter des Bündnisses bei der Präsentation des Konzernatlas in Berlin.

"Was wir jetzt brauchen ist eine richtig fette Agrarwende", mit diesen Worten schloss Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll Stiftung die heutige Pressekonferenz zur Vorstellung des Konzernatlas in Berlin. Neben ihr hatten zuvor Prof. Hubert Weiger für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie Dr. Dagmar Enkelmann als Vorsitzende der Rosa-Luxemburg Stiftung die zunehmende Konzentration im Agrar- und Ernährungsbereich kristisiert.

Fünf der zwölf größten Übernahmen börsennotierter Konzerne in den Jahren 2015 und 2016 hätten im Agrar- und Ernährungsbereich stattgefunden. Dies zeige der Konzernatlas 2017, eine Zusammenstellung von Fakten und Grafiken zur Agrarwirtschaft. Herausgeber ist neben den genannten Organisationen auch die Hilfsorganisation Oxfam Deutschland. Ihre konkrete Warnung lautet: Die laufenden Konzentrationen im Agrarsektor gefährden die 2015 beschlossenen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und schaden den Landwirten rund um den Globus.

Warnende Herausgeber
Der Konzernatlas 2017 wird von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Oxfam Deutschland, Germanwatch und Le Monde Diplomatique herausgegeben. Sie warnen davor, dass die Konzentration im Agrarsektor die 2015 beschlossenen Nachhaltigkeitsziele der UN gefährdet.
Demnach kontrollieren inzwischen vier Großkonzerne rund 70 Prozent des Welthandels mit Agrarrohstoffen. Drei Konzerne dominieren mehr als 50 Prozent des Weltmarkts für Landtechnik. In Deutschland decken vier Supermarktketten 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels ab.

Zudem sei viel im Fluss. Der Börsenwert der Fusionen im Landwirtschaftssektor übertraf laut der veröffentlichten Daten vielfach den in anderen großen Branchen. So war 2015 der Wert der Fusionen von Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelindustrie mit 347 Mrd. Dollar fünf Mal höher als der im Pharma- oder im Ölsektor. Finden die weiteren derzeit geplanten Mega-Fusionen statt, würden nur drei Konzerne mehr als 60 Prozent des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut und für Pestizide beherrschen, so die Herausgeber.

Für Unmüßig, sind "das Höfesterben, Landkonzentration, Patente und Monokulturen" die Folgen der Konzernmacht im Ernährungssektor. "Sie schafft massive Abhängigkeit für Bauern und Bäuerinnen und Konsumenten und Konsumentinnen von Konzernentscheidungen." Weiger warnte vor einer weiteren Konzentration im Agrarsektor und bezog sich vor allem auf die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer.

Als eines der größten Probleme weltweit beschrieb Weiger die zunehmende Konzentration beim Besitz der wertvollen Ressource Boden. Wichtig war es ihm zu betonen, dass sich die Kritik keinesfalls gegen Landwirte richte. Sie würden mit zugelassenen Pflanzenschutzmittel arbeiten und sich auch in der Tierhaltung nach gesetzlichen Vorgaben richten. Sie seien ebenfalls negativen Folgen einer zunehmenden Konzentration auf der Liefer- wie auf der Abnehmerseite ausgesetzt. Bezogen auf die weltweite Entwicklung könne nur über die Politik an einigen Stellen versucht werden, Einfluss auf diese Entwicklungen zu nehmen, hieß es auf kritische  Fragen aus dem Teilnehmerkreis. (mrs/jst) 
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