Die natürliche genetische Vielfalt zählt wie auch die Kenntnis biologischer Mechanismen zu den Grundlagen der Bioökonomie. Bei der Nutzung müsse ein fairer Vorteilsausgleich gezahlt werden, betont der Bioökonomierat. Allerdings werde die Regelung durch die EU-Umsetzung des Nagoya-Protokolls die Forschung stark behindern, so warnt das Gremium, das die Bundesregierung auf dem Weg in eine Bioökonomiebasierte Zukunft beraten soll.

Den fairen Vorteilsausgleich zwischen Gebern und Nutzern genetischer Ressourcen, wie er in der UN-Biodiversitätskonvention von 1992 und dem darauf aufbauenden Nagoya-Protokoll gefordert wird, unterstützt der Bioökonomierat ausdrücklich. Sollten aber bürokratische Anforderungen internationale Partnerschaften verhindern, würden die Ziele des Nagoya-Protokolls verfehlt. Die EU-Verordnung 511/2014 sei aber viel zu bürokratisch. Sie geht weit über die im Nagoya-Protokoll niedergelegten Grundsätze hinaus.

Forschung, die sich ausschließlich mit der Sammlung, Evaluierung und Charakterisierung genetischer Ressourcen befasst, sollte von den Dokumentationspflichten der Verordnung entbunden werden, fordert das Gremium. Denn solche Forschung schafft öffentliche Güter, die weltweit zugänglich sein sollten.

Es zeichnet sich ab, dass umfangreiche Regulierungen dazu führen, dass der Zugang zu genetischen Ressourcen für europäische Institute, Universitäten und Unternehmen stark eingeschränkt wird. Dadurch würde nicht zuletzt Ländern mit reicher Biodiversität die Chance auf einen gerechter Vorteilsausgleich verwehrt. Die neue EU-Verordnung zur Umsetzung des Nagoya-Protokolls erschwert weltweit den Austausch von genetischem Material für die Wissenschaft und Wirtschaft erheblich, so das Urteil des Bioökonomierates. (brs)
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