Andreas Mundt verdonnert die Wursthersteller zu hohen Bußgeldern
-- , Foto: Kartellamt
Andreas Mundt verdonnert die Wursthersteller zu hohen Bußgeldern

Die Unternehmen
- Bell Deutschland Holding GmbH, Seevetal (vormals Abraham/Zimbo, Coop-Gruppe);
- Böklunder Plumrose GmbH & Co. KG, Böklund/Könecke Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, Bremen (Zur Mühlen-Gruppe, ClemensTönnies-Gruppe);
- Döllinghareico GmbH & Co. KG, Elmshorn;
- Herta GmbH, Herten (Nestlé);
- Franz Wiltmann GmbH & Co. KG, Versmold;
- H. Kemper GmbH & Co. KG, Notrup;
- H. & E. Reinert Holding GmbH & Co. KG, Versmold/ Sickendiek Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, Neuenkirchen-Vörden;
- Hans Kupfer & Sohn GmbH & Co. KG, Heilsbronn;
- Heidemark Mästerkreis GmbH & Co. KG, Emstek-Höltinghausen;
- Heinrich Nölke GmbH & Co. KG, Versmold;
- Höhenrainer Delikatessen GmbH, Feldkirchen-Westerham;
- Lutz Fleischwaren GmbH, Landsberg am Lech (Vion);
- Marten Vertriebs GmbH & Co. KG, Gütersloh;
- Meica Ammerländische Fleischwarenfabrik Fritz Meinen GmbH & Co. KG, Edewecht;
- Metten Fleischwaren GmbH & Co. KG, Finnentrop;
- Ponnath Die Meistermetzgerei GmbH, Kemnath;
- Rudolf und Robert Houdek GmbH, Starnberg;
- Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG; Bad Zwischenahn;
- Westfälische Fleischwarenfabrik Stockmeyer GmbH, Sassenberg (heristo AG);
- Wiesenhof Geflügelwurst GmbH & Co. KG, Rietberg (PHW-Gruppe) und
- Willms Fleisch GmbH, Ruppichteroth.
Zahlreiche Aussagen und Unterlagen belegen, so das Amt, „dass ein tradiertes 'Grundverständnis' existierte, sich regelmäßig über Forderungen von Preiserhöhungen zu verständigen“.

Namhafte Wursthersteller trafen sich seit Jahrzehnten regelmäßig im Hamburger Hotel Atlantic, um über Marktentwicklungen und Preise zu diskutieren. Neben diesem „Atlantic-Kreis“ kam es zwischen verschiedenen Wurstherstellern zu konkreten Absprachen über gemeinsame Preiserhöhungen und diese gegenüber dem Einzelhandel durchzusetzen.

Das Kartellamt hat daher Bußgelder in Höhe von insgesamt rund 338 Mio. € verhängt. Der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt zu dem Entscheid: „Das Gesamtbußgeld erscheint auf den ersten Blick hoch, relativiert sich aber vor dem Hintergrund der großen Zahl der beteiligten Unternehmen, der Kartelldauer und den Milliardenumsätzen die in dem Markt erzielt werden. Gerade bei der Bußgeldbemessung sind wir in der teilweise mittelständisch geprägten Branche mit Augenmaß vorgegangen.“

Der wirtschaftlichen Situation und Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Unternehmens sei Rechnung getragen worden, heißt es. Für die 15 beteiligten kleinen und mittelständischen Unternehmen belaufe sich die Geldbuße im Durchschnitt auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag der im Durchschnitt rund 2 Prozent - statt 10 Prozent - ihres Jahresumsatzes entspreche, schreibt Mundt. Das Bundeskartellamt gibt keine Auskunft über die Einzelbußgelder.

Erste Hinweise auf das Kartell erlangte das Bundeskartellamt durch einen anonymen Hinweis. Elf Unternehmen hätten mit der Behörde kooperiert. Das habe sich bußgeldmindernd ausgewirkt.

Wie die Wirtschaftswoche vorab erfahren haben will, sollen die beiden Unternehmen Clemens Tönnies und die Schweizer Bell-Gruppe (Abraham, Bell, Zimbo, Hoppe) jeweils rund 100 Mio. € zahlen müssen. Dies wurde von den Unternehmen jedoch nicht bestätigt. Die Tönnies-Gruppe teilte der Zeitung mit, sie wolle Einspruch gegen den Bescheid einlegen. (hed)
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