Journalistenpreis

Connemann sendet Protestschreiben

Der vom Deutschen Industrie- und Handelstag vergebene Journalistenpreis für die im November 2014 erschiene Artikelserie „Tödliche Keime“ stößt auf Kritik. Die im November 2014 in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte Serie enthielt den Beitrag „Die Rache aus dem Stall“. Dieser hatte zu massiven Protesten von Tierhaltern und landwirtschaftlichen Verbänden geführt. In dieser Woche erhielten die Autoren des Beitrags den mit 7.500 € dotierten Ernst-Schneider Preis der deutschen Industrie- und Handelskammern (DIHK) in der Kategorie „Wirtschaft in überregionalen Wirtschaftsmedien“.

In ihrem agrarzeitung.de vorliegenden Schreiben an den Präsidenten des DIHK, Dr. Eric Schweitzer, sowie den Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben, zeigt sich die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion Gitta Connemann sehr irritiert. Sie verweist darauf, dass auch der Deutsche Presserat eine Beschwerde des Deutschen Bauernverbandes (DBV) für begründet erklärt hat. Damit sei belegt, dass das ausgezeichnete Autorenteam nicht sorgfältig recherchiert habe, so Connemann. Sollte dies der Jury entgangen sein oder diese trotz Kenntnis der Kritik den Preis verliehen haben, so sei dies sehr befremdlich, heißt es in dem Schreiben.

Für sie stelle sich daher die Frage, wie sich der DIHK und seine Mitgliedskammern zu einem solchen Sachverhalt stellen. Zusätzliche Brisanz erhalte der Vorgang, weil das Mitglied des Autorenteams Christian Fuchs im Nachgang der Preisverleihung auf seiner Facebook-Seite in einem Dank für die Preisverleihung auch wörtlich geschrieben habe: „Wer ist krasser als Nazis, Scientologen oder Geheimdienste? Die deutsche Agrarlobby....“

Dieser Vergleich sei abstoßend. Connemann stellt an die DIHK-Repräsentanten die Frage, ob sie es vertreten könnten, den Ernst-Schneider Preis durch derartige Entgleisungen zu beflecken. Sie erwarte, dass sich der DIHK öffentlich von „ehrabschneidenden Äußerungen von Herrn Fuchs distanziert und die Auszeichnung des genannten Artikels hinterfragt.“

Der Autor selbst hatte Medienberichten zufolge beklagt, das Zitat von seiner Facebook-Seite sei verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen wiedergegeben worden. Er habe an keiner Stelle die Agrarwirtschaft mit Nazis gleichgesetzt, sondern die äußerst scharfen Reaktionen auf seinen Beitrag sowie Diskreditierungsversuche von Branchenteilnehmern kritisiert. (jst)
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