Milchkrise

DBV fordert Exportoffensive


Größere Käseexporte könnten den Milchmarkt in der EU entlasten.
-- , Foto: DMK
Größere Käseexporte könnten den Milchmarkt in der EU entlasten.

Gute klimatische Bedingungen in den wichtigen Milcherzeugerregionen weltweit und das Russland-Embargo. Soweit die Ursachenforschung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zur derzeitigen Milchmarktkrise. Da der Milchpreis im Vergleich zum Vorjahr um rund 11 Cent/kg abgestürzt ist, legte der Verband am Donnerstag in Berlin seine Vorstellungen dar, wie der Markt entlastet werden solle.

Der Importstopp Russlands für Lebensmittel aus der EU steht nach Angaben des DBV-Milchexperten Udo Folgart allein für 3 Cent des Preisrückgangs gegenüber Vorjahr. Russland ist am Weltmarkt der wichtigste Abnehmer für Käse und Butter aus Deutschland. Das Embargo zeige, wie riskant die Abhängigkeit von wenigen Märkten sei, so der DBV. Daher müsse der Abschluss bilateraler Handelsabkommen beschleunigt werden und auch veterinäre Handelshemmnisse beseitigt werden. Schon seit einigen Jahren vor dem Embargo sind Verarbeitungsstandorte für Milch und Fleisch in Deutschland aus solchen Gründen für den Export nach Russland gesperrt.

Weiterer Preisdrücker ist nach Analyse des DBV der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Die Handelsunternehmen dürften ihre Marktmacht nicht missbrauchen, fordert der Verband. Das Kartellamt müsse „offensiver die Preisführerschaft einzelner Discounter angehen.“ Zudem sollen sich die Molkereien durch Kooperationen, Kontore oder Fusionen zu Verhandlungspartnern auf Augenhöhe mit dem LEH entwickeln. Zudem dürften bei höheren Anforderungen an Produktionsstandards, wie sie durch die Tierwohl-Debatte, die Düngeverordnung oder Vorgaben für Stallneubauten entstehen, nicht die Kosten für die Erzeuger vergessen werden.

Wenig überraschend, fordert der DBV auch einen finanziellen Ausgleich für die aktuellen Einkommensverluste der Erzeuger. Das Geld soll nach Vorstellungen des Bauernverbandes aus den Strafzahlungen für die Überlieferung der Milchquote im Milchwirtschaftsjahr 2014/15 stammen. (pio)
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