Fipronil

DBV fordert Konsequenzen

Kritikpunkt des DBV ist vor allem die Informationspolitik der belgischen Lebensmittelsicherheitsbehörde. Nach derzeitigem Kenntnisstand habe diese bereits Anfang Juni Erkenntnisse über eine unerlaubte Verwendung von Fipronil in Hühnerställen gehabt. Diese Informationen seien aber erst am 20. Juli an die anderen EU-Länder weitergegeben worden. „Dadurch haben wir wertvolle Zeit verloren, um dieses Geschehen einzugrenzen“, sagte der stellvertretende Generalsekretär des DBV, Udo Hemmerling, am 8. August in einem Interview des Nachrichtensenders Phoenix: „Das Nichtfunktionieren des Schnellwarnsystems in diesem Fall ist ein großer Fehler. Dass Behörden solche Informationen zurückhalten, darf nicht wieder passieren.“

Die betroffenen Hühnerhalter würden Schadenersatzansprüche stellen müssen gegen die Verursacher, die das Fipronil verbotenerweise unter das aus ätherischen, pflanzlichen Ölen bestehende Desinfektionsmittel gepanscht hätten, so Hemmerling. Noch sei aber unklar, wer genau der Verursacher sei.

Landwirte müssen sich auf Lieferanten verlassen können

Am Vortag hatte bereits der DBV-Vizepräsident und Präsident des Niedersächsischen Landvolkes Werner Hilse eine noch bessere und umfangreichere Untersuchung in den vorgelagerten Bereichen der Landwirtschaft gefordert. „Wir Landwirte müssen uns darauf verlassen können, dass die von uns eingekauften Produkte sowie die damit angebotenen Dienstleistungen einwandfreie Qualität liefern“, betonte Hilse. Der einzelne Landwirt sei überfordert, wenn er Vorlieferanten oder Dienstleistungsunternehmen danach bewerten solle, ob sie alle lebensmittelrechtlichen Vorschriften einhalten.

Die Landwirte, die ohne ihr Wissen durch den unzulässigen Einsatz des mit Fipronil kontaminierten Desinfektionsmittels geschädigt wurden, müssten zivilrechtlich entschädigt werden, sagte Hilse weiter. Er regte auch weitergehende Hilfen an, falls einzelne Betriebe dadurch vor existenzgefährdende Probleme gestellt würden. Voraussetzung dafür sei eine rasche und umfangreiche Aufklärung aller Hintergründe zu der aktuellen Krise.

BfR gibt nochmals Entwarnung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in der Zwischenzeit eine Bewertung der bislang wenigen übermittelten Daten vorgenommen. Die Daten aus Deutschland zu Gehalten von Fipronil erreichten demnach Werte bis zu 0,45 mg/kg in Eiern.
Die Lage in Niedersachsen
Nach bisherigem Kenntnisstand ist das mit dem Insektizid Fipronil vermischte Desinfektionsmittel Dega16 in Niedersachsen in vier Legehennenbetrieben mit insgesamt rund 130.000 Legehennen nachgewiesen worden sowie überdies in einem Junghennenbetrieb, in dem es jedoch noch keine Eierproduktion gab. Das Insektizid wurde hier im Gefieder der Tiere nachgewiesen. Es ist davon auszugehen, dass von den genannten 130.000 Legehennen etwa 16 Mio. mit Fipronil belastete Eier gelegt worden sind, die entweder verkauft oder zurückgerufen wurden. Meyer betonte aber, trotz der Bedauerlichkeit dieser Fälle die Verhältnisse im Blick zu behalten. Die Zahlen bedeuteten auch, „dass rund 99 Prozent der Hennen und Halter nicht betroffen sind“.
"Nach dieser Datenlage ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand eine akute gesundheitliche Gefährdung der betrachteten Verbrauchergruppen, einschließlich Kinder, unwahrscheinlich", so die Einschätzung des BfR.

Auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer sieht im Fipronil-Skandal vorerst keine unmittelbaren Gefahren für die Verbraucher, fordert aber dennoch gemeinsam mit Umweltminister Stefan Wenzel für die Zukunft einen rigoroseren Umgang mit dem Mittel. Sowohl Meyer als auch Wenzel sprechen sich zudem für ein europaweites Verbot von Fipronil aus. Beide sehen hier eine Bringschuld beim Bund, sich dafür auf EU-Ebene einzusetzen.

Meyer gab zudem gestern in Hannover bekannt, dass ein von Niedersachsen auf den Weg gebrachtes Sofort-Monitoring zur Untersuchung zusätzlicher Proben von Eiern in der grenznahen Region zu den Niederlanden sowie in Packstellen verschiedener Landkreise bislang negative Befunde ergeben habe. Insgesamt seien nahezu 300 Proben untersucht worden, von denen keine auffällig gewesen sei.

Aldi bringt wieder Eier in die Regale

Unterdessen bestückt Aldi Süd sukzessive seine Regale mit Eiern aller Haltungsformen, berichtet LZ.net. Aldi Nord rechnet demnach noch mit vereinzelten regionalen Engpässen. Aldi Nord und Süd hatten am vergangenen Freitag angekündigt, alle Eier aus dem Sortiment zu nehmen. (mrs)
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